Der
Übergang vom Spätsommer zum Herbst fällt genau in die Erntezeit:
Allenthalben kann man in diesen Wochen in großer Auswahl und
Farbenpracht frische Produkte aus der Landwirtschaft erhalten. Gerade
das Gebiet rund um Berlin ist durch zahlreiche Anbieter regionaler
Produkte gekennzeichnet. Grund genug, einige davon als Ziele und
Zwischenstopps für eine sonntägliche Ausfahrt mit dem Motorrad zu
nutzen, bevor die nasse Jahreszeit der kommenden Wochen keinen Hund
hinterm Ofen und kein Motorrad aus der Garage locken kann.
Wir
haben uns für unsere Erkundungstour die Region südwestlich von Berlin
vorgenommen. Hier fallen gewiss jedem die Obstplantagen rund um Werder
oder so manch ein großer Spargel- oder Kürbishof ein, in dem die
Bewirtung der Gäste fast schon hochprofessionelle Züge annimmt. Für
unsere Sonntagstour hatten wir etwas anderes im Auge: Kleine, fast schon
verträumte Anbieter sollten die Zwischenstopps auf unserer Runde
setzen.
So
sind wir denn schnell auf die Nuthe-Nieplitz-Region gestossen. Hier
haben sich mehrere, ganz unterschiedliche Anbieter regionaler
Erzeugnisse zu den „Offenen Höfen“ zusammengetan. Einige von ihnen
liegen fast schon wie an einer Perlenkette aufgereiht direkt an einer
wunderbaren Rundtour von weniger als 200 Kilometern. So verspricht der
Tagesausflug neben einem Biker-Genuss auch ausreichend Zeit, um die zu
Beginn leeren Koffer nach und nach mit den „Beutestücken“ weiblicher
Kauflust befüllen zu können.
Wir
beginnen unsere Tor mit einer Etappe nach Löwenbruch, einem Ortsteil
von Luwigsfelde. Hier, kurz hinter dem Berliner Ring, betreibt die
Lankwitzer Gastronomenfamilie Mertens das Landhotel Löwenbruch. Neben
dem Hotelbetrieb stehen die Betreiber aber vor allem für eine über
zwanzigjährige Galloway-Zucht. Nach regelmäßigen Schlachtungen kann man
dort dieses besondere Fleisch, das mit einer Tierhaltung allein auf den
umliegenden Weiden Bio-Qualität hat, erwerben. Wir bedauern schon, dass
wir bereits gefrühstückt haben, lockt uns doch das umfangreiche
Brunchbuffet sehr.
Wir
widerstehen aber tapfer der Versuchung, warten doch vor allem einige
kurvige Kilometer durch die wiesen- und seenreiche Region auf uns. So
geht es denn bald weiter, um ein wahres Kleinod zu besuchen: In
Blankensee angekommen, hat man das Gefühl, die Zeit scheint still zu
stehen. Zahlreiche Hofläden, Imkereien und Kunstgewerbetreibende locken
mit ihren gemütlichen Anwesen. Man muss sich schon beim Fahren gut
konzentrieren, um sich von den zahlreichen Eindrücken dieses idyllischen
Ortes nicht ablenken zu lassen und den einen oder anderen Fußgänger
oder Radfahrer zu gefährden.
Daher
stellen wir lieber schnell unsere Motorräder vor der ortsansässigen
Fischräucherei Brauße ab. Auf dem Grundstück verspricht der Rauch aus
dem aufgestellten Räucherofen, dass die Produkte hier frisch zubereitet
über den Ladentisch gehen. Die Fischliebhaber unter uns kommen an dem
einen oder anderen Fischbrötchen nicht vorbei,während es den Rest schon
bald gegenüber auf die andere Straßenseite zieht: Hier kann man in der
Landbäckerei neben selbstgebackenem Brot vor allem superleckeren Kuchen
genießen, der quasi direkt aus der Backstube heraus verkauft wird.
Wir
beschließen, dem Örtchen Blankensee ein andermal mehr Zeit zu widmen,
denn für heute stehen noch andere interessante Orte an. Leider zwingt
uns eine aktuelle Baustelle bei Zauchwitz zu einer Routenänderung. Diese
führt uns mit Insiderwissen über ein ordentliches Stück Sandpiste am
Flughafen Schönhagen vorbei durch den Wald und zeigt mir wieder einmal,
dass mein Reisedampfer für solche Wege nur bedingt tauglich ist. So bin
ich denn ebenso froh wie meine Sozia, als wir wieder ein bestens
ausgebautes Teerband auf der Verbindungsstraße von Ahrensdof nach
Hennickendorf unter den Reifen haben. Von hier aus geht es dann die
berühmte und mittlerweile stark reglementierte „Rennstrecke“ nach
Dobbrikow, heute allerdings ohne Stopp in der „Scheune“, dem bekannten
Bikertreff.
Uns
zieht es über die Sabinchenstadt Treuenbrietzen dann auf die L851, auf
der wir zwischen Alt Bork und Neuendorf die A9 kreuzen. Kurz hinter
Brück erreichen wir dann unser nächstes Ziel: Die Backschweintenne in
Gömnigk.
Der
Betreiber Bernd Schulz ist ein wahres Original, der schon selbst mit
den zahlreichen Geschichten, die er zu erzählen weiß, einen Besuch wert
ist. Aber nicht nur das Herz hat er auf dem richtigen Fleck, er weiß
seine Gäste auch mit leckerstem Backschwein aus ökologischer
Freilandhaltung zu verwöhnen. Wir durften eine Kostprobe von diesem
Gaumenschmaus erleben und mussten bei dem treffend zum Gericht
angebotenen Backschweinbier mit einem traurigen Seitenblick auf unsere
zweirädrigen Begleiter leider passen: Wir waren uns einig, dass wir
nochmals herkommen müssen, sobald wir einen Fahrer für uns gefunden
haben, wollen wir nicht das gastfreundliche Angebot der
Übernachtungsmöglichkeit bei Bernd Schulz in Anspruch nehmen.
Noch
lange wären wir gerne auf dem lauschigen Innenhof sitzen geblieben, auf
dessen Kopfsteinpflaster unsere Motorräder unter einer
schattenspendenden Weide Platz gefunden hatten. Aber der Tag neigte sich
langsam dem Ende zu und wir hatten neben einem Stückchen Weg auch noch
ein weiteres Ziel, dass uns interessierte.
So
fuhren wir den aus Westen kommend über die B246 nach Zauchwitz, wo wir
direkt am dortigen Kreisverkehr den „Kleinen Garten-Laden“von Ilona
Lapsien aufsuchten. Hier erhält man nur Produkte, die aus dem eigenen
Garten oder aber von einem der Partner der offenen Höfe stammen.
Überhaupt findet man bei allen Beteiligten der „Offenen Höfe“ immer ein
Regal mit einigen Produkten der Partner.
Ganz
verzückt waren unsere Frauen, als sie die Hofeinfahrt, das
Ladengeschäft und den sich nach hinten anschließenden Garten inspizieren
durften. Und natürlich waren spätestens von diesem Moment an unsere
Koffer an den Motorrädern nicht nur rappelvoll sondern viel zu klein...
Nach
einem schönen Spätsommertag und einer Tour, die Lust auf eine
Herbstausfahrt in der Region gemacht hat, kehrten wir dann wieder mit
einer Erkenntnis heim: Gerade jetzt, wenn die letzten Tage mit
angenehmem Motorradwetter auf uns warten, kann man den Einkauf
hochwertiger regionaler Produkte auch gut mit einer interessanten Tour
und damit das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Wer solch eine
Tour selbst planen möchte, dem sei die Internetseite der Offenen Höfe (www.offenehoefe.de) empfohlen.
Literaturvorschläge:
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