Nach den ermutigenden Erfahrungen mit dem G9 von Cardo, insbesondere im Zusammenspiel mit dem Kommunikationssystem Schuberth SRC, waren wir natürlich neugierig, wie sich das neue us-amerikanische Modell Q3 schlagen würde.

Die
Ladies in unserem Redaktionsteam hatten sich seinerzeit recht früh aus
den Überlegungen und Versuchen mit dem G9 herausgehalten: Ihnen war das
Leistungsspektrum und die Menge an angebotenen Features zu groß und auch
ein wenig zu unübersichtlich. Die vergleichenden Darstellungen auf
der Internetseite von Cardo, die für das Q3 einen leicht abgespeckten
Leistungsumfang aufzeigen, machten die Damen dann wieder ein wenig
neugieriger. Immerhin – so sind sich jedenfalls die männlichen
Teammitglieder einig – gab es in der bisherigen Testphase doch schon
manch neidischen Blick aus der weiblichen Fraktion, wenn uns Männern
auch während der Fahrt eine muntere Unterhaltung möglich war. Die
technischen Daten des Q3 beschreibt der Hersteller jedenfalls wie folgt:
- Bike-to-Bike Interkom (Pendel- Modus) zwischen bis zu 4 Bikern innerhalb 1 Km Reichweite(1)
- Click-to-Link® – Zur spontanen Aufnahme von Interkomgesprächen mit anderen scala ridern Nutzern in der Umgebung
- Über Musik-Sharing™ (via A2DP) können Fahrer und Beifahrer gleichzeitig dieselbe Stereo Music empfangen
- Geräteeinstellungen und Software-Aktualisierungen über PC oder Mac Rechner(2)
- Individuell einstellbare Notrufnummer
- Duales Mikrofon-Set (hybrider Schwanenhals und Kabelversion) für praktisch alle Helmtypen im Lieferumfang enthalten
- Ablösbare Lautsprecher: Nutzer können eigene 3.5 mm Lautsprecher einsetzen
- Gesprächsaufnahme, -annahme, und-abweisung per Sprachbefehl oder Tastendruck
- A2DP/AVRCP-Profil für kabellosen Stereoempfang über Smartphone Handys
- Duales Handsfree-Profil zur gleichzeitigen Anbindung von zwei Handys
- GPS Navi(3) Sprachanweisungen
- Eingebautes UKW Radio mit RDS:
- Speicherplatz für bis zu 6 Radiostationen
- RDS Funktion zur automatischen Justierung auf die jeweils besten verfügbaren Sendefrequenzen
- Radiolaufzeit: 7-10 Stunden
- Automatische Stummschaltung bei Navi-Anweisungen oder eingehenden Handyanrufen
- Drahtloser Stereoempfang und Fernbedienen von kompatiblen MP3 Playern (A2DP / AVRCP). Kabelanschluss zum MP3-Player vorhanden (Verbindungskabel im Lieferumfang enthalten)
- AGC Technologie sorgt selbstständig und permanent für optimale Lautstärke entsprechend Fahrtgeschwindigkeit und Umweltlärm (individuell anpassbar)
- Packet Loss Concealment: Digitale Überbrückung von Audio- Datenverlust in Echtzeit optimisiert Klangqualität in besonders lauten Umgebungen
- VOX: Sprachkontrolliertes Empfangen und Abweisen von Handy-, bzw. Interkomgesprächen (individuell anpassbar)
- DSP Technologie für Spitzenfunktionalität
- Bis zu 8 Stunden Gesprächszeit / 1 Woche Bereitschaftsbetrieb (Stand-By). Wiederaufladbar über Steckdose oder USB
- Wasserdicht und staubgeschützt (IP67 Zertifikat)
(2) Mindestanforderung: Windows® XP / Mac OS X 10.5 oder höher
(3) Passend für Audio-Gateway Hands-Free Bluetooth® Geräte
Mac und Mac OS sind Marken von Apple Inc., eingetragen in den USA und in anderen Ländern

Also
stand unser Entschluss schnell fest: Das Q3 wird nach dieser
Vorgeschichte unser „Damenmodell“ und deswegen auch aus diesem
besonderen Blickwinkel von Andrea und Tina heraus beleuchtet werden. Als
ob der Hersteller das geahnt hat, trudelt das Q3 bei uns in einer
Designertasche ein, die einen Vergleich mit den Guccis und Pradas dieser
Welt nicht zu scheuen braucht.

Wer
kennt das nicht: funkelnde Frauenaugen, hochkonzentriert fokussiert auf
das neue Objekt der Begierde, ein sich leicht zuspitzender Mund und ein
allen behaupteten Multitasking-Fähigkeiten widersprechendes „Stör uns
jetzt mal grade nicht“ zeigten schon beim Öffnen der Schatulle, dass das
Q3-Doppelpack wohl kein all zu schweres Spiel vor sich haben würde.
Aber bekanntlich kommt es uns keineswegs nur auf gute oder schöne Optik
an, vielmehr soll die Praxistauglichkeit im Vordergrund stehen.

Hier
hatten es die beiden Exemplare dann auch unterschiedlich schwer:
Während ein Modell an Tinas Shoei-Helm getestet wurde, sollte das andere
Exemplar an Andreas Schuberth R1 seinen Dienst verrichten. Beim Einbau
der beiden Testmodelle, bei dem die Herren ihre Vorerfahrungen gerne
einbrachten, wurden sehr schnell Unterschiede deutlich: Während beim
Shoei-Helm der Einbau des Q3 problemlos innerhalb von wenigen Minuten
erledigt war, stellte uns das Schuberth-Modell vor eine deutlich größere
Aufgabe:


Die
besondere Kragenform der Schuberth-Helme verhindert ein leichtes
Anbringen des Q3 und erfordert neben Geduld auch eine gute Kombination
aus Fingerspitzengefühl und beherztem, kräftigen Herangehen.
Letztendlich stand der Sieger aber fest und die Q3-Systeme konnten in
beiden Helmen ihren Dienst aufnehmen. Für so manch einen Käufer wird es
sich aber vielleicht anbieten, den Einbau der Systeme für kleines Geld
durch den Fachhändler vornehmen zu lassen, der damit sicherlich mehr
Erfahrung hat und dies routiniert erledigen wird.

Mit
frisch aufgeladenen Akkus versehenen, eingeschalteten Geräten können
unsere Ladies sofort miteinander plauschen: Bereits ab Werk sind die
beiden Q3-Modelle miteinander gepairt. Das macht auch Sinn, wird diese
Verbindung auch die Standardnutzung nach dem Kauf des Doppelpacks sein.
Außerdem stehen jedem Gerät zwei weitere Kanäle zur Verfügung, um sich
mit anderen cardo-kompatiblen Headsets verbinden zu lassen. Das sollte
zwar nicht unser erster Schritt sein, aber schon jetzt sei angemerkt,
dass beim Pairen zusätzlicher Headsets immer die Reihenfolge A-B-C
einzuhalten ist: Wer – aus welchen Gründen auch immer – neben dem Kanal A
als nächstes sein Q3 mit einem anderen Headset auf Kanal C pairen
möchte, hat dazu keine Chance. Ohne dass dies in der Gebrauchsanweisung
konkret beschrieben wird, ist in diesem Beispiel ein „Freihalten“ des
Kanals B nicht möglich.

Sofort
sind Tina und Andrea von der sehr guten Verständlichkeit der Systeme
angetan. Jetzt sind wir Männer es, die sich – in guter Erinnerung, wie
es uns vor einigen Wochen erging - nun leicht spöttelnd über die sich
mit aufgesetzten Helmen am Tisch gegenüber sitzenden und über die
Headsets miteinander unterhaltenden Frauen äußern. Sich ertappt fühlend
fällt denen natürlich ein, dass als nächstes die Handys mit den Headsets
gekoppelt werden sollen. Dies macht man am besten getrennt voneinander,
um nicht quasi über Kreuz die Headsets mit den falschen Handys zu
koppeln oder bereits aufgebaute Verbindungen zu „überschreiben“. Auch
beim Koppeln der Handys machen sich Unterschiede bemerkbar: Die
Blootooth-Standards sind bekanntlich durchaus weniger standardisiert,
als in der Allgemeinheit angenommen. Das führt bei unterschiedlichen
Handy-Modellen zu ganz unterschiedlichen Pairing-Zeiten von wenigen
Sekunden hin bis zu mehreren Minuten und zu wiederholenden
Verbindungs-Versuchen.
Aber
am Ende bleiben auch in diesem Punkt die Testerinnen die Sieger.
Insbesondere, als sie eine Regel, die wir allen Interessenten hier
dringend empfehlen möchten, beherzigten: Es macht absolut Sinn, zunächst
die umfangreiche Gebrauchsanweisung zu studieren, um dann später nur
noch mit der Kurzanleitung zu hantieren. Stürzt man sich nur oder gleich
auf diese Kurzanleitung, dann können Querverbindungen oder
Hintergrundinformationen fehlen, die für das Verständnis der
Kurzhinweise unbedingt notwendig sind.

Sehr
gut kommen bei unseren Testerinnen die zwei großzügig dimensionierten
Tasten an der Seite des Q3 an. Während das vordere Exemplar für das An-
und Ausschalten sowie die Kanalwahl A-B-C benötigt wird, dient die
hintere Taste für die Umschaltung von Handy und Radio. Diese beiden
Tasten sind vorbildlich auch mit etwas dickeren Motorradhandschuhen zu
bedienen. An dieser Stelle schauen die Nutzer von Schuberths SRC unter
uns ein wenig neidisch um die Ecke.

Anders
sieht es dagegen bei den kleinen Lautsprechertasten an der Rückseite
der Q3 aus. Diese lassen sich weder aufgrund ihrer Größe mit Handschuhen
finden, noch sind sie ausreichend erhaben angebracht, als dass man sie
erfühlen könnte. Durch die geschwindigkeitsabhängige automatische
Lautstärkeanpassung der Q3 braucht man glücklicherweise nur selten an
die Lautstärkeknöpfe, wenn die individuell angenehme Lautstärke erst
einmal eingestellt ist. Aber dies sollte man besser ohne Handschuhe
vornehmen.

Auch
wenn der Lieferumfang beim Q3 sowohl Mikrofone für Integral- als auch
für Jet- bzw. Klapphelme umfasst, benötigen Andrea und Tina in ihren
Integralhelmen nur die kleinen Klebemikrofone. Bei diesen bemerken sie
aber schnell, dass eine möglichst exakte Positionierung der Mikrofone im
Helm enorme Auswirkungen auf die Sprachqualität haben kann: Während
Tina anfangs bei leicht seitlich eingebautem Mikrofon von Andrea kaum
verstanden wird, ändert sich dies sofort nach mittiger Anbringung am
Kinnteil.
Während
der Fahrt erleben beide Damen die uns Männern schon bekannte und
beeindruckende Filterung der Windgeräusche: Hier ist dem Hersteller ein
in allen getesteten Systemen übereinstimmend wirklich großer Wurf
gelungen, da selbst bei hohen Geschwindigkeiten von 160 km/h und darüber
fast keine Windgeräusche übertragen werden. In diesem Punkt sind wir
uns alle einig, etwas Vergleichbares noch bei keinem anderen Anbieter
bislang kennengelernt zu haben.

Auch
der Radioempfang weiß zu überzeugen: Während dem SRC von Schuberth im
C3 mangels ausreichender Antenne Empfangsschwierigkeiten nachgesagt
werden, die in den C3 Pro-Exemplaren von Hannes und mir nicht mehr
bestehen, gibt es auch mit den Q3 auf den ersten Ausfahrten keine
Ausfälle zu bemängeln. Auch die Bedienung der Senderwahl wird von den
Damen als einfach beschrieben.
Ankommende
Anrufe können beim Q3 sowohl per Tastendruck als auch per
Voice-Steuerung angenommen werden. Hier sind sich Andrea und Tina einig,
dass es ein wenig Verbesserungspotenzial gibt: In der
Standard-Einstellung ist bei beiden Damen die Empfindlichkeit zu gering
und sie müssen zur Rufannahme sehr laut ins Mikrofon hineinrufen, um den
Annahmebefehl aktivieren zu können. Die Möglichkeit, dies über die
Einstellung der Empfindlichkeit anzupassen, war dann für die ersten
neugierigen Test-Kilometer doch zu viel Technik und steht jetzt auf der
ToDo-Liste für die kommenden Wochen. Alternativ lassen sich
Telefonanrufe am Q3 auch per Tastendruck annehmen, wobei dies natürlich
insbesondere bei Fahrten mit höherer Geschwindigkeit nicht ganz
unproblematisch ist.
Unterwegs
ließen sich jetzt schon Gespräche zwischen den beiden Geräten auf
Entfernungen von etwa 800 m außerhalb von Ortschaften und etwa 200 m in
der Stadt führen, so dass die Herstellerangaben zur Reichweite, die ja
bekanntlich immer unter optimalen Bedingungen genannt werden, ganz gut
bestätigt werden können.

Vor
einigen Tagen haben wir dann auf einer gemeinsamen Ausfahrt das erste
Mal die Kompatibilität der verschiedenen Systeme ausprobiert: Völlig
problemlos hatten wir eine Vierer-Kombination hergestellt, die aus einem
cardo Q3, einem cardo G9 und zwei Schuberth SRC bestand und prächtig
harmonierte. Im Hinblick darauf, dass wir ja zusätzlich auch noch ein
SRC an einem Schuberth C3 in unseren Reihen nutzen, somit also im
Redaktionsteam über insgesamt 6 Geräte verfügen, die miteinander
kompatibel sein sollen, steht nun auf unserer ToDo-Liste für die
kommenden Wochen auch der Test weiterer Kombinationen. Beispielsweise
wäre es doch schön, wenn sich bei einer gemeinsamen Ausfahrt
verschiedene Gruppen verbinden könnten, bei Bedarf aber dennoch auch
gemeinsam kommunizieren könnten. So hatten wir bereits jetzt in einem
ersten Aufschlag sowohl eine bestehende 2er-Gruppe aus G9 und SRC
gekoppelt, wobei sich aber durch einen einfachen Tastendruck am G9 auch
ein weiteres SRC sowie ein Q3 zu einer Vierergruppe miteinander
verbinden ließen.
Hier
dürfte es für die uns zur Verfügung stehenden Geräte noch reichlich
Test- und Probiermöglichkeiten in der Zukunft geben. Da oftmals unter
solch intensiven Versuchen das reine Motorradfahren etwas leidet und man
viele auch als „Trockenübung“ angehen kann, sind wir uns auch schon
einig: Das wird ein tolles Spielfeld für die am Zeithorizont
auftauchenden Wintermonate: Wenn wir alle mit aufgesetzten Helmen im
Zimmer am Tisch sitzen und über die Headsets miteinander sprechen, gibt
es niemanden, der daneben stehend das Ganze spöttisch kommentieren kann.
Nachdem wir einen Großteil unserer Redaktionsmitglieder mit den untereinander grundsätzlich kompatiblen Bluetooth-Headsets von Cardo und Schuberth (das SRC
wurde ebenfalls von Cardo entwickelt) ausgestattet haben, hatten wir
uns einiges für die fahrarme Winterzeit vorgenommen. So wollten wir
gerne herausbekommen, welche verschiedenen Varianten der Verbindungen
untereinander möglich sind und welche Funktionalitäten im Detail jeweils
in den Produkten stecken. Insofern lässt sich dieses Update sehr gut
für alle drei Produkte zusammenfassen, da diese Eindrücke auch
weitestgehend modellübergreifend gültig sind.
Um es zusammenzufassen: Enttäuschung ist in den vergangenen Wochen unser häufigster Wegbegleiter gewesen.
All
die Features, die den Produkten in Puncto Kommunikation von Bike zu
Bike zugesprochen werden, gibt es. Und sie funktionieren auch. Manchmal.
Aber eben nicht immer. Und das ist ein Problem, nein, das ist DAS
Problem!
Manchmal
konnten wir unsere Geräte ganz wunderbar miteinander verbinden (koppeln
oder pairen, wie die Fachleute auch gerne neudeutsch sagen), aber
leider nicht immer. Und auch wenn die Geräte jeweils mit zumindest zwei
oder sogar mehr Partnern koppelbar sein sollen, hat auch das manchmal
funktioniert, aber eben nicht immer.
Und
genau dieser Punkt ist der entscheidende, der die Enttäuschung
ausmacht: Wir können partout keine Gesetzmäßigkeit feststellen, woran es
liegt, dass die Verbindungen manchmal zustande kommen, manchmal nicht
und manchmal sogar während einer gemeinsamen Ausfahrt unterbrochen
werden oder aber auch plötzlich, unerwartet und aus dem Nichts heraus
einfach so zustande kommen. Nach unseren Erfahrungen ist damit die
Interkom-Verbindung vor allem mit mehreren Teilnehmern oder – und da
gibt es ja durchaus Parallelen zum wirklichen Leben – mit ständig
wechselnden Partnern kritisch und instabil...
Außerdem
haben wir auch das bei allen Geräten bestehende Problem
zusammenbrechender Bluetooth-Verbindungen zu Navi und/oder Handy nach
Interkom-Verbindungen mit anderen Teilnehmern nicht lösen können. Dass
bei einigen Handys nach einer Interkom-Verbindung (Gespräch mit anderen
Teilnehmern) und manchmal auch nach einem geführten Telefonat die zuvor
spielende Musik nicht mehr gestartet wurde, scheint tatsächlich von
Handy-Modell oder der dort vorhandenen Firm- oder Software abhängig zu
sein und darf nicht den Bluetooth-Headsets angelastet werden. Aber dass
man nach einer Interkom-Verbindung plötzlich keine Navi-Ansagen mehr
hört, ist einfach misslich. Hier hilft nur das Ausschalten und
Neustarten der Headsets. Macht man dieses während der Fahrt, ist
reichlich Ablenkung von der Verkehrssituation vorprogrammiert, ergänzt
um einarmiges Fahren, weil der zweite Arm irgendwo am Helm an den
Bedienungsknöpfen der Headsets herumpfriemelt.
Leider
werden auch nicht immer die anderen Teilnehmer, mit deren Headsets man
das eigene beim letzten Mal verbunden hatte, nach dem Neustart der
Headsets automatisch wieder gefunden: Der Abend des ersten Tages einer
Tour endete mal mit zufriedenem Grinsen, weil man sich am Tage während
der Fahrt mit den anderen Teilnehmern hatte unterhalten können. Leider
ist dann nach dem Frühstück am nächsten Morgen zu oft diese
Zufriedenheit schon wieder Geschichte, weil das eine oder andere oder
gar alle anderen Headsets plötzlich nicht mehr verbunden werden können.
Dann heißt es fast immer für ALLE Teilnehmer: Reset des Systems und
Aufbau neuer Verbindungen, natürlich dann auch zum eigenen Handy oder
Navi, weil diese Verbindungen beim Reset ebenfalls gekappt wurden.
Das
klingt jetzt insgesamt so, als würden wir von den Bluetooth-Headsets
generell abraten. Das ist mitnichten so. Aber wenn man sich für den Kauf
solcher Systeme interessiert, und zwar herstellerunabhängig, müssen ein
paar grundsätzliche Fragen vorab geklärt werden und einige grundlose
Hoffnungen aus der Welt geräumt sein:
Zunächst
stellt sich die Frage, wofür man ein Bluetooth-Headset einsetzen will:
Insbesondere für Alleinfahrer, die sich während der Fahrt mit
Navi-Ansagen und/oder Musik von einem Navigations-Gerät und/oder einem
Handy versorgen lassen möchten, kann dies sehr funktionell sein. Viele
neuere Navigationsgeräte bieten gar keinen Kopfhörer-Anschluss mehr an,
weil dieser Probleme bei der geforderten Wasserdichtigkeit der Geräte
macht. Hier wird häufig allein auf den Einsatz von Bluetooth-Headsets
gesetzt. Für diesen Einsatz sind alle drei Modelle (Cardo G9, Cardo Q3 und Schuberth SRC)
gleichermaßen gut geeignet. Der Sound der Systeme ist nicht zuletzt vom
Helm und der mit diesem verbundenen Geräuschkulisse während der Fahrt
abhängig. Systembedingt weist hier das SRC schon allein dadurch
erhebliche Vorteile auf, weil die damit kompatiblen Schuberth-Helme
besonders leise sind und damit optimale Voraussetzungen liefern.
Andererseits sind die Cardos wiederum flexibel einsetzbar und können bei
späterem Neukauf eines anderen Helmmodelss in aller Regel problemlos
mitgenommen werden.
Möchte
man mit dem Bluetooth-Headset zusätzlich noch mit einem weiteren
Teilnehmer (Sozius oder anderer Motorradfahrer) während der Fahrt
kommunizieren können, wird es schon schwieriger: Zunächst sollte man
schauen, ob schon ein (anderes) Headset-System im Einsatz ist. Hat der
andere Teilnehmer ein Headset, das nicht mit den Cardos und SRC
kompatibel ist (also von einem anderen Hersteller stammt), nützt einem
das am besten ausgestattete System nicht viel, weil man doch nicht
miteinander plauschen kann. Hat der Partner bereits ein Cardo und/oder
SRC, dann lohnt sich der Blick auf eines der hier vorgestellten Modelle.
Meist
bleiben – solange man immer nur mit diesem einen Partner-System
gekoppelt bleibt, diese Verbindung auch nach dem Ausschalten vorhanden;
die Systeme finden sich selbständig ohne dass weiteres oder neues Pairen
notwendig wird. Allerdings kann es bereits in dieser „kleinen“
Konstellation dazu kommen, dass nach Gesprächen zwischen den Teilnehmern
während der Fahrt die Verbindung zum eigenen Navigationsgerät oder
Handy abreist und nur durch einen Neustart des Bluetooth-Headsets wieder
aktiviert werden kann. Insofern verursacht allein schon diese Situation
im Redaktionsteam von Motorrad-Tourer.com nach unseren Erfahrungen
Bauchweh, der Faktor Unsicherheit („Klappt es heute?“) ist uns einfach
zu groß.
Wer
dagegen ohne Navi-Unterstützung und Musikbeschallung aber dafür zu
zweit unterwegs ist, für den stellen die Cardo-Produkte incl. SRC eine
tolle Möglichkeit dar: Verbindet man sich auch hier immer wieder nur mit
dem einen, möglichst immer gleichen Teilnehmer, hat man kaum
Störeinflüsse zu erwarten. Man wird mit hoher Verbindungsqualität über
zum Teil erstaunlich große Entfernungen belohnt und kann neben einem
netten Plausch unterwegs vor allem sinnvolle Sicherheitshinweise auf
Verunreinigungen der Fahrbahn etc. vom Vorder- an den Hintermann (oder
jeweils -frau) weitergeben. So lässt sich das Thema Sicherheit auf dem
Motorrad auch aktiv angehen.
Wer
allerdings vorhat, die Bluetooth-Headsets gemessen am Funktionsumfang
maximal einzusetzen (Navi-Ansagen, Musik, Telefonieren und
Interkom-Gespräche mit mehreren, gerne auch immer wieder mal wechselnden
Teilnehmern), der sollte sich auf zahlreiche Überraschungen, viele
Probierstunden und ein notwendig gutes Nervenkostüm einstellen. Außerdem
sollte er sich um sehr tolerante Freunde und Mitfahrer bemühen und
überpünktlich am vereinbarten Treffpunkt vor dem Tourstart erscheinen,
um genügend Zeit für die Resets zu haben und die anderen nicht all zu
lange warten zu lassen.
Insgesamt
ist bei uns zum Thema Bluetooth-Kommunikation einige Ernüchterung
eingekehrt. Zu unsicher ist die Funktionsfähigkeit bei intensiver
Nutzung. Ich selbst habe mittlerweile als glücklicher Nutzer eines alten
zumo 550 mit „echtem“ Kopfhörerausgang wieder auf die alt bewährten,
wenig bequemen aber dafür sicher funktionierenden kabelgebundenen
Headsets zurückgerüstet und setze bei Bike-2-Bike-Kommunikation auf die
ebenso antiquierte wie sichere Funkverbindung mittels PMR-Funkgeräten.
Für mich MUSS Technik, wenn sie vorhanden ist, funktionieren und darf
nicht zum Glücksspiel ausarten, welches das Motorradfahren
in den Hintergrund drängt. Wenn ich irgendwann einmal Lust dazu
bekomme, mich hobbymäßig mit technischen Spielereien zu beschäftigen,
verkaufe ich mein Motorrad und dann stimmt auch wieder alles...
Infolge
der oben beschriebenen unterschiedlich sinnhaften Nutzungsmöglichkeiten
für Bluetooth-Headsets im Allgemeinen und den cardo(-kompatiblen)
Systemen im Besonderen stehen wir als Redaktion den hier vorgestellten
Geräten mit einem durchwachsenen Gefühl gegenüber, das wir in der nur
mittelmäßigen Anzahl der zu vergebenden LikeBikes ausdrücken. Dabei
würden wir am liebsten etwa 2,5 LikeBikes vergeben, was wir uns aber
grundsätzlich selbst untersagt haben. Demzufolge differenzieren wir
zwischen den Geräten wie folgt:
Allen
drei Modellen sind die sehr guten Reichweiten und vielfältigen
(theoretischen) Anschluss- und Verbindungsmöglichkeiten sowie eine
überaus gute Übertragungsqualität aber leider auch die ausreichend
beschriebenen Schwierigkeiten beim Herstellen, Halten und Wiederfinden
gepairter Teilnehmer und Verbindungen zu eigen. Außerdem verfügen alle
drei Modelle über leistungsstarke Akkus, die eine Tagestour klaglos
überstehen: Wir haben noch kein Akku in die Knie gezwungen, selbst
beispielsweise mit Dauermusik am SRC über fast 10 Stunden nicht.
Das
Schuberth SRC erhält von uns 3 von möglichen 5 LikeBikes, weil es sich
konstruktionsbedingt perfekt an den C3 Pro anpasst und darüber hinaus in
Zusammenarbeit mit den im Helm integrierten Antennen einen wirklich
sehr guten Radioempfang ermöglicht, der auf fast allen unserer Etappen
nahezu störungsfrei funktionierte.
Auch
beim G9 von Cardo können wir 3 von 5 LikeBikes rechtfertigen. Hier ist
ebenfalls ein Radio eingebaut, dessen Empfangsqualitäten allerdings mit
denen des SRC nicht ganz mithalten können. Dafür verfügt es über das
überaus angenehme Feature, zwei G9-Systeme allein durch einen ganz
leichten Schlag der Systeme aneinander zu koppeln. Diese sehr
komfortable Art spart nicht nur Zeit sondern auch einiges an Nerven.
Außerdem ist das G9 flexibel nach einem Wechsel des Helmmodells weiter
zu verwenden.
Da
das Q3 weder über die bequeme Koppelungsmöglichkeit des G9 noch über
die gute Radioqualität des SRC verfügt, konnte die Bewertung mit 2 von
möglichen 5 LikeBikes nur unter den beiden anderen Modellen bleiben.

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