Seit
einigen Monaten wird die GoPro Hero 3 Black Edition als das Maß der
Action-Cam-Dinge angepriesen. Um so genauer sollte man hinhören und
hinsehen, wenn ein anderer Hersteller in die Offensive geht und selbst
zum Angriff auf den Platzhirsch bläst.

So
macht das Ernst Niederer, Chef von actionpro. Mit ihm hatte ich schon
vor knapp einem Jahr für den großen Vergleichstest von Action-Cams
Kontakt. Seinerzeit war die SD 21 sein Flaggschiff, allerdings wirkte er
in diesen Gesprächen deutlich zurückhaltender und weniger überzeugt.
Spricht man dagegen jetzt mit ihm, spürt man sein Selbstbewusstsein
förmlich: Wurden die früheren actionpro-Modelle – wie andere Hersteller
es ebenfalls praktizieren – in China hergestellt, stammt die neue X7 aus
Südkorea und soll deswegen eine konkurrenzlose Entwicklungs- und
Verarbeitungsqualität aufweisen. So jedenfalls der Text auf der
Hersteller-Homepage.
An technischen Features werden vom Hersteller folgende Punkte aufgezählt:
Sensor: 12 Megapixel Sony Exmor® CMOS Sensor
Objektiv: Lichtstarkes Präzisions-Objektiv, 8 Glaselemente, vergütet, F/2.4
Blickwinkel: 152° / 120° / 90° – alle Einstellungen mit voller Auflösung, im Fotomodus 170°
(Nur verfügbar bei Videomodi bis 30 Bilder/sek.)
Monitor: 5cm LCD Bildschirm eingebaut, mit einstellbarer Auto-Aus Funktion
Akku: Lithium Ionen Akku, auswechselbar, 1200mAh Kapazität
LED: Aufnahmeanzeige über 3 LED an verschiedenen Positionen, ausschaltbar
Tonsignal: Signaltöne bei Ein/Aus schalten und Bedienung, ausschaltbar
Speichermedium: Micro SD/SDHC/SDXC bis zu 64GB
USB: Mehrfach belegt: Aufladen/Stromversorgung, Dateiübertragung, externer Mikrofonanschluss
Micro HDMI: Live-Bild (ohne Symboleinblendungen) und Wiedergabe
Mikrofon: Eingebautes Mikrofon und Anschluss für externes Mikrofon über USB-Port
WiFi: Integriertes WiFi (IEEE 802.11 b/g/n)
Video Auflösung: 1080p / 960p / 720p / 480p
Bildraten: 1080p: 25/30/50/60 fps, 720p: 25/30/50/60/100/120 fps, 480p: 25/30/50/60/100/120/200/240 fps
Kompressionsqualität: Superfein / Fein / Normal
Zeitraffer: Ein Bild alle 1/3/5/10/30/60 Sekunden, gespeichert in Video mit der gerade eingestellten Bildrate
Fotoauflösung: 12 Megapixel (Sensorauflösung), reduzierte Bildgröße einstellbar mit 5 und 8 Megapixel
Fotokompression: Superfein / Fein / Normal
High Speed Fotoaufnahme: 11 Bilder in einer Sekunde (auch in voller 12MP Auflösung)
Foto Intervallaufnahme: Ein Foto alle 0,5/1/3/5/10/30/60 Sekunden
Video Wiedergabe: Übersicht / Wiedergabe / Rückwärts-Wiedergabe / Rücklauf / Vorlauf / vorherige bzw. nächste Datei
Foto Wiedergabe: Übersicht / Wiedergabe / Dia-Show / vorherige bzw. nächste Datei
Benutzeroberfläche: leicht verständliche, farbige Grafikoberfläche
Fernbedienung (optional): WiFi Funkfernsteuerung für Video und Foto mit Anzeige für laufende Aufnahme (Feedback)
Wasserdichtigkeit Gehäuse: IP68 Standard, 60m Tauchtiefe
Abmessungen: 6,1 x 3,2 x 4,3 cm
Gewicht: 79g, mit Akku 107g

Optisch
könnte man die X7 auf den ersten Blick fast als Klon der Hero 3
bezeichnen, wobei sich dieser Eindruck sehr schnell relativiert: Bei der
X7 gehören sowohl Monitor als auch WiFi-Modul zur Standardausstattung,
müssen nicht aufpreispflichtig nachgeordert werden und sind gemeinsam
einsetzbar.

Dabei hinterlässt der Monitor auch bei Tageslicht und Sonneneinstrahlung einen durchaus brauchbaren Eindruck.

Einschränkungen
müssen Nutzer in diesen Tagen unter Umständen noch in Sachen
Fernbedienung machen: Während die entsprechende App für die Steuerung
via Smartphone für iPhones bereits im AppStore erhältlich sein soll,
suchen Android-Nutzer diese App im PlayStore noch vergeblich.

Aber
auch ansonsten ist die Ausstattungsliste, die man für den aktuellen
Kaufpreis von 349 Euro erhält, bereits als üppig zu bezeichnen. Wir
bedienen uns auch hier zur Vermeidung von Wiederholungen der Angaben auf
der Hersteller-Homepage:

Natürlich
sind die Befestigungsmöglichkeiten an den Klebeplatten nicht mit denen
anderer Hersteller, z. B. GoPro oder Rollei kompatibel. Hat man also
sein Bike schon mit den Befestigungsmöglichkeiten anderer Anbieter
versehen, hilft in diesen Fällen nur die Nutzung der „fremden“
Befestigungsfüße und Zwischengelenke, können diese doch mit dem gleichen
Mechanismus mit den verschiedenen mitgelieferten Gehäusen der X7
verbunden werden.

Apropos
Gehäuse: Tatsächlich wird bei der actionpro X7 ein branchenübliches
wasserdichtes Gehäuse sowohl mit komplett geschlossener Rückwand als
auch mit offener Rückwand mitgeliefert. Hier hat man nun auf eine
aufwändige Abdichtungstechnik mittels o-Ring zurückgegriffen. Nutzer
sollten daher peinlich darauf achten, dass diese Dichtung frei von
Schmutz etc. bleibt, damit sich nicht auf diesem Umweg ungewollte
Undichtigkeiten am Gehäuse ergeben können. Die offene Rückwand hat
dagegen entscheidende Vorteile:

Auch
Action-Cams entwickeln im Betrieb Wärme. Werden diese Action-Cams dann
insbesondere bei wechselnden oder etwas kühleren Temperaturen genutzt,
kommt es durch den Hitzestau im Gehäuseinneren und die von außen auf das
Gehäuse treffende kalte Luft zu Kondenswasserbildungen, die vor der
Linse unangenehme und ungewünschte Verschleierungen der Aufnahmen
produzieren. Hier werden in Internetforen unterschiedlichste
Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen: Vom Einreiben der Linse mit Seifenwasser
über getrennte Lagerung von Cam und Gehäuse im Kühlschrank mit Einbau
der Cam ins Gehäuse noch im Kühlschrank bis hin zum Einkleben
feuchtigkeitsbindender Pads im Gehäuse geht die Palette. Tatsächlich hat
actionpro solche Pads ebenfalls im Angebot, aber mein Tipp für eine
einfache und sichere Lösung lautet: Die offene Gehäuse-Rückwand nutzen.

Ein
solcher Tipp ist natürlich für Wasserfreunde, die mit der Cam auch
Unterwasseraufnahmen machen wollen, untauglich. Aber auf dem Motorrad
wird man eh nur dann Aufnahmen mit der Action-Cam machen, wenn das
Wetter auch einigermaßen gut ist. Selbst ein kurzer Nieselschauer dürfte
– je nach Einsatzort und -richtung – der X7 bei offener Rückwand nichts
ausmachen. Aber was man bereits in diesen Wettersituationen von der
Qualität der Aufnahmen erwarten kann, ist leicht vorstellbar.
Bei
trockenem Wetter kann dagegen die überschüssige Wärme in Gehäuseinneren
durch die offene Rückwand abtransportiert werden und die Aufnahmen
bleiben ohne weitere Maßnahmen schleierfrei.

So haben wir denn die ersten Probeaufnahmen mit der X7 gemacht und waren von einigen Punkten sehr angetan:
Zum
einen wirken die Farben recht natürlich. Die Aufnahmen selbst sind klar
und verzerren oder verschwimmen auch während der Fahrt nicht,
jedenfalls solange die Cam auf dem Helm befestigt wird. Hier gibt es –
jedenfalls bei den Original-Aufnahmen – kaum Bubble-Effekte, wie sie
sich ansonsten häufig bei Vibrationen oder sonstigen schnellen
Kamera-Bewegungen einstellen.


Zur
Tonqualität können wir noch keine Aussagen treffen, weil wir zunächst
die X7 nur in dem Gehäuse mit offener Rückwand eingesetzt haben. Hier
ist das eingebaute Mikrofon der Cam derart starkem Fahrtwind ausgesetzt,
dass man nichts zur Tonqualität sagen kann. Wir werden sie demnächst im
Skelettgehäuse einsetzen, das einen entscheidenden Vorteil bietet: Hier
werden – anders als bei dem wasserdichten Gehäuse - die
Anschlussbuchsen freigehalten. Damit wird der Anschluss eines externen
Mikrofons, welches windgeschützt beispielsweise in Motornähe platziert
werden kann und dann für einen wirklichen Soundcheck taugt, möglich.

Update 15.09.2013:
Die ersten Test-Videos sind nun online:
{vimeo}74557842{/vimeo}
{vimeo}74557843{/vimeo}
{vimeo}74557844{/vimeo}
{vimeo}74557845{/vimeo}
Insbesondere
in diesem letzten Clip ist die Gegenlichtqualität der X7 beeindruckend:
mit den ständig wechselnden Lichtverhältnissen kommt sie äußerst
schnell und präzise zurect; die Elektronik regelt die Belichtung extrem
präzise. Aber auch in den anderen Clips fällt die sehr gute
Farbwiedergabe und das sowohl verzerrungsarbe als auch nahezu ohne
"Bubble-Effekte" auskommende Bild beeindruckt ebenfalls.
Künftig
werden wir auch die Akkulaufzeiten und die verschiedenen
Menu-Einstellungsmöglichkeiten sukzessive ausprobieren und Euch hier auf
dem Laufenden halten.
UPDATE 27.02.2014:
Mittlerweile
haben wir die actionpro X7 verschiedentlich im Einsatz gehabt und sie
hat sich zum Liebligskind der Redaktion gemausert. Jeder, der unterwegs
mal einige Videoschnipsel produzieren möchte greift zunächst in die
Schublade der X7 und überlegt, sein Projekt zu verschieben, wenn das
kleine Schmuckstück gerade wieder mal unterwegs ist.
Auch bei Innenaufnahmen haben wir sie eingesetzt: Das Testvideo zum SynX
in der Werkstatt von Pfiffikus ist bei nicht besonders reichhaltigen
Lichtverhältnissen entstanden. Alle Sequenzen, die dort perspektivisch
so aufgenommen sind, dass das Motorrad links im Bild ist, stammen von
der actionpro.
Mittlerweile gibt es auch sowohl eine eigene Fernbedienung, die über die Homepage des Herstellers
bezogen werden kann, als auch eine kostenlose Smartphone-App. Mit
dieser für iPhone und Android erhältlichen Software kann die actionpro
mittels bereits eingebautem WiFi über das Display des Smartphones
gesteuert werden. Vor allem aber, und das scheint mir der entscheidende
Vorteil der App gegenüber der Fernbedienung zu sein, lässt sich so das
deutlich größere Display des Smartphones nutzen, um eine visuelle
Aufnahmekontrolle zu bekommen, da die Bildübertragung auf diesem Wege
ebenfalls erfolgt.
Nachteil
der Smartphone-App bei Nutzung auf dem Motorrad ist sicherlich die
schlechte Bedienbarkeit des Smartphone-Displays mit Handschuhen. Hier
dürften die funktionell großen Tasten der Fernbedienung ihre Vorzüge
ausspielen.
Uns
gefallen die Präzision des von der X7 produzierten Bildmaterials, aber
auch die Farbtreue. Über die besonders ausgeprägte Fähigkeit, die Blende
bei wechselnden Lichtverhältnissen (Gegenlicht!) sehr schnell und vor
allem äußerst präzise anzupassen, hatten wir bereits früher berichtet.
Dieses Phänomen zeigt sich immer wieder und prädestiniert den
Aufnahmezwerg für den Einsatz auf dem Motorrad.
Im
Vergleich zu einer aus dem Freundeskreis ausgeliehenen Hero 3 empfinden
wir die Unterschiede in der Bildqualität lediglich als Nuancen, die
auch Ausdruck und Spielball der unterschiedlichen Geschmäcker sind und
teilweise nur in direkten 1:1 Vergleichsaufnahmen festgestellt werden
können.
Lediglich
der Ton konnte uns nicht überzeugen: Nur im Skelett-Gehäuse ist der mit
dem eingebauten Mikrofon aufgenommene Ton nicht völlig unbrauchbar.
Allerdings – und das ist ja das Problem, dass wegen des Fahrtwindes alle
Actioncams auf dem Motorrad haben – sind auch hier die Windgeräusche
derart im Vordergrund, dass wir den Einsatz eines externen Mikrofons
unbedingt empfehlen. Solche Mikrofone mit 3,5 mm Klinkenstecker gibt es
im Zubehör in vielfältiger Form für kleines Geld: Wir haben uns für
kleine und leichte Ansteckmikrofone entschieden, die wir für nicht
einmal 20 Euro im Versandhandel erstanden haben.
Berücksichtigt
man aber insgesamt, dass actionpro den Preis für die X7 zumindest
vorübergehend von 349 auf nur 279 Euro gesenkt hat, sind wir uns in der
Redaktion einig, dass die actionpro X7 bei vergleichbarer Qualität,
kompletter Grundausstattung aber deutlich geringerem Preis den aus Sicht
der Verkaufszahlen Branchenprimus vor allem im Gesamtpaket deutlich
hinter sich lässt und dementsprechend nicht nur eine klare
Kaufempfehlung bei 5 von 5 möglichen LikeBikes von uns erhält, sondern
darüber hinaus ein echter „Motorrad-Tourer.com-Tipp“ ist: Wer sich für
Actioncams interessiert und sich die X7 nicht genau anschaut, könnte aus
unserer Sicht einen großen Fehler begehen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen