Schon
seit Jahren vertraue ich auf Reisen meinen Kopf einem Helm des
Magdeburger Herstellers Schuberth an. Neben einem hohen
Sicherheitsanspruch und umfangreicher Funktionalität der C-Serie haben
mich dabei insbesondere die für einen Klapphelm geringe Geräuschkulisse
in Verbindung mit der für meinen Kopf nahezu perfekten Passform
überzeugt. Deswegen war auch klar, dass ich in diesem Sommer mit meinem
erwachten Interesse an hochwertigen Jethelmen auch das im Frühjahr neu
auf den Markt gekommene Modell Metropolitan M1 näher unter die Lupe
nehmen wollte. Und was hätte sich dazu mehr angeboten, als unser
diesjähriges Projekt „Gardasee – I Want it all“ im August?

Rund
um den traumhaft schönen Gardasee lockten die Kühle spendenden Berge
des Trentino und die nahegelegenen Traumstrecken in den Dolomiten. Damit
war die Bühne bereitet für einen Helm, der vielleicht wie kaum ein
zweiter reisetauglicher Jethelm italienisches Feeling versprüht. Und
optisch macht der Metropolitan M1 vor allem in seinem auffälligen
Farbton „Rome Red“ eine ebenso gute Figur auf einem Großroller im
italienischen Altstadtgetümmel wie als frischluftspendende Kopfbedeckung
während der Kurvenhatz auf einer großvolumigen Reiseenduro.

Schauen wir uns aber zunächst die Herstellerangaben zu den technischen Daten und Ausstattungsmerkmalen dieses Helms an:
"Pure Innovation - Der Metropolitan 1
Der
Metropolitan 1 setzt nicht nur bei Komfort, Funktion und Sicherheit
Maßstäbe, er passt sich Ihren Wünschen an. Das flexible Design eröffnet
Ihnen ein breites Spektrum an Farben, Visieren und technischen
Ausstattungen.
Metropolitan 1 – der innovative Jethelm mit flexiblem Design
Fünf verschiedene Sonnenblendenfarben:
80 % Tönung, klar, High-Definition Yellow, Silber verspiegelt, Blau verspiegelt
Kopfbelüftungshaube:
Titan oder Matt Schwarz
Titan oder Matt Schwarz
Fünf verschiedene Visierfarben:
Klar, stark getönt (80 %), leicht getönt (40 %), Silber verspiegelt, Blau verspiegelt
Klar, stark getönt (80 %), leicht getönt (40 %), Silber verspiegelt, Blau verspiegelt
Schirm:
Titan oder Matt Schwarz
Titan oder Matt Schwarz
Ultimativer Komfort:
Innovative nahtlose Polsterung in 2 Farben
Innovative nahtlose Polsterung in 2 Farben
SRC-System™ ready: unsichtbare Mikrofone und integrierte Lautsprecher bereits vorinstalliert
Schnellentriegelung für das Visier, Pinlock®-Vorbereitung"

Schon
beim Aufsetzen stellt sich sofort das typische „Schuberth-Gefühl“ ein.
Hier geht es mir ähnlich, wenn ich Autos der Stuttgarter oder Münchner
Nobelmarken besteige: Selbst mit verbundenen Augen würde ich sofort mit
Sicherheit sagen können, mit welchem Hersteller ich es gerade zu tun
habe. Dass Schuberth dies mit seinen Helmen ebenfalls gelingt ist Segen
und Fluch zugleich: Wer sich ein wenig in Internetforen bewegt, weiß,
dass sich an der Ausformung des Innenlebens Magdeburger Helme die
Geister scheiden: Es gibt die Gruppe mit den „Schuberth-Köpfen“, bei
denen die Kopfbedeckung eigentlich immer passt, und es gibt diejenigen,
die egal mit welchem Modell des sachsen-anhaltinischen Top-Anbieters in
Sachen Passform partout nichts anfangen können. Beim Metropolitan habe
ich persönlich den Eindruck, dass alles beim alten ist, außer dass er
eventuell eine Nuance größer ausfällt als die ansonsten von mir
genutzten C-Modelle.


Erstaunlich
ist dann aber insbesondere das recht hohe Gewicht: Mit immerhin mehr
als 1400 Gramm ist dieser Jethelm gerade einmal knapp 100 Gramm leichter
als der mit einem Kinnteil und der Klappmechanik ausgestattete C 3 Pro.
Wo kommt das viele Gewicht her? Das bleibt eine Frage, auf die ich auch
keine Antwort finde und sie dementsprechend schuldig bleiben muss. In
jedem Fall aber merkt man dieses Gewicht im Einsatz tatsächlich erst
nach vielen Fahrstunden. Anscheinend sind die aerodynamischen
Eigenschaften so ausgewogen, dass man jedenfalls auf meinem Motorrad
lange Zeit nichts davon merkt.

Ansonsten
lacht natürlich mein Touren-Herz beim Anblick der bereits integrierten
Sonnenblende. In gewohnter Manier ist diese ausreichend groß und reicht
tief genug herunter, um auf meiner Travel-Q-ueen auch den Blick auf die
Instrumente in Sachen Helligkeit zu dämpfen.

In Sachen Lautstärke kann der Metropolitan bei geschlossenem Visier – selbstverständlich – mit meinem C 3 Pro
nicht mithalten. Zu groß ist dazu der Spalt, der sich am kinnseitigen
Visierende bis zu meinem Hals bildet und eine ungehinderte Luftzufuhr
nach sich zieht. Bei warmen und heißen Temperaturen, wie ich sie am
Gardasee erlebt habe, ist das aber gerade der große Vorteil, weswegen
ich mich ja überhaupt in diesem Jahr erstmals Jethelm-Modellen zugewandt
habe. Bei offenem Visier gibt es in Sachen Lautstärke dagegen keinen
Unterschied zwischen den beiden Schuberth-Modellen.

Eigentlich
interessiert aber ein anderer Vergleich: Wie würde sich der
Metropolitan im direkten Vergleich zu meinem bisherigen Jet-Favoriten,
dem HJC FG-Jet schlagen? Sowohl in Sachen Lautstärke und Belüftung
nehmen sich die beiden Kandidaten nicht viel und liegen dicht
beieinander. Die Sonnenblende des Metropolitan gefällt mir persönlich
noch etwas besser, weil sie etwas dunkler als das Modell von HJC getönt
ist und damit insbesondere im gleißenden mittäglichen Sonnenschein für
etwas mehr Entlastung für die Augen liefert.

Bei
einem anderen Punkt aber hat der Metropolitan dann klar die Nase vorn:
In puncto Kommunikation bietet Schuberth ein speziell für den
Metropolitan gestaltetes Bluetooth-Headset an, dessen Bedienung denkbar
einfach gelungen ist: Bereits ab Werk ist der Metropolitan mit
Lautsprechern und einem Mikrofon ausgestattet und weist an seiner
Rückseite eine Fläche aus, die mit einer abnehmbaren Abdeckplatte
versehen ist. Entfernt man diese, lässt sich das SRC-System™
mit nur einem einzigen Klick einfach in die dafür vorgesehene Halterung
positionieren und die Kontakte für die Übertragung der Signale von
Headset zu den Lautsprechern bzw. vom Mikro sind schon sicher
hergestellt.

Die Herstellerangaben zum SRC-System™ lauten:
"Das
optionale SRC-System™ ergänzt Ihren Metropolitan 1 perfekt. Das
integrierte High-End-Kommunikationssystem wird einfach in die
vorgefertigten Aussparungen eingeklinkt. Die Mikrofone und die
Lautsprecher sind bereits vorinstalliert. Das SRC-System™ ermöglicht
Navigation, Musik, Telefon- und Bike-to-Bike- Gespräche.
Werden Sie Teil der Cardo-Community und lassen Sie sich über
Softwareaktualisierungen für Ihr SRC-System bequem per E-Mail
informieren. Updates der Software erhalten Sie direkt vom Hersteller"
Im Praxistest zeigt sich dann ziemlich schnell, was das SRC-System™
zu leisten vermag. Wie schon erwähnt, ist die Inbetriebnahme und
Kontaktaufnahme mit den integrierten Lautsprechern und dem Mikrofon hier
vorbildlich gelöst. Auch die Integration des Empfangsteils in die
Helmschale weiß zu gefallen, schleppt man doch keinen unförmigen „Klops“
seitlich an den Helm geklebt oder geschraubt mit sich herum. Vielmehr
wirken Metropolitan und SRC-System™ optisch wie eine perfekte Symbiose aufeinander abgestimmt.

Im direkten Vergleich zum im C 3 Pro verbauten SRC, das ebenfalls auf Cardo-Technik aufsetzt, fällt das SRC-System™
in Sachen Funktionalität dann aber doch ab: Zum einen können lediglich
Bluetooth-Verbindungen zu einem Handy und einem Navigationsgerät
aufgebaut werden. Eine interkom-Verbindung zu zumindest einem anderen
Nutzer ist dagegen nicht vorgesehen. Ein Radio ist ebenfalls nicht
verbaut. Vor allem aber bei der Laufzeit des Akkus muss man deutliche
Abstriche in Kauf nehmen. Im Dauereinsatz (Musik während der Fahrt mit
zwischenzeitlichen Navi-Ansagen) erreicht mein SRC-System™
lediglich eine Laufzeit von vier Stunden. Der im SRC verbaute
Doppelakku schafft dagegen gewaltige 10 Stunden und übersteht somit auch
eine längere Tagesetappen, ohne in die Knie zu gehen. Dafür muss man
für das SRC-System™ mit etwa 180 Euro auch nur in etwa den halben Kaufpreis im Vergleich zum SRC berappen.

Insgesamt
hat mich die – wie mir zahlreiche neugierige Blicke unterwegs
bestätigten – optisch sehr ansprechende Kombination aus Metropolitan
M1 und SRC-System™
an den heißen Sommertagen sehr angenehm über die Tagesetappen mit zum
Teil sehr ansprechenden Höhenprofil begleitet, ohne dass mir unter der
Haube ein Hitzeschock drohte. Für alle, die vielleicht auch neben einem
alltagstauglichen Tourenhelm eine luftige aber dennoch sichere und
optisch ansprechende Helmalternative für die warmen Tage, für
Kombination zum Business-Anzug auf den Arbeitswegen durch die Rushhour
belebter Innenstädte oder auch für den kurzen Ausflug zur Eisdiele
suchen, kommt der Metropolitan M1 (ca. 400 Euro) zusammen mit dem SRC-System™
(etwa 180 Euro) durchaus in die engere Wahl. Ob man für diese schmucke
Kombi bereits ist, die stolze Summe von immerhin 580 Euro auf den Tisch
zu blättern, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mein bisheriger
Favorit HJC FG-Jet bleibt jedenfalls auch mein künftiger Favorit, der
zwar insbesondere mit dem seitlich angebrachten Cardo Headset bei weitem
nicht so schön anzusehen ist, das Portemonnaie jedoch nur etwa halb so
stark entleert wie die Schuberth-Kombi.
Für
die reicht es auch eben aus diesen wirtschaftlichen Aspekten je nach
Sichtweise nur oder immerhin für 4 von möglichen 5 LikeBikes.

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