Wer
sich für seine Reiseenduro mit Aluminium-Koffern beschäftigt, landet
schnell bei etwa einer Handvoll Zubehör-Anbieter. Über deren Produkte
kursieren ganz unterschiedliche Meinungen Im Netz: Den einen bauen die
motorradspezifischen Halterungen des einen Anbieters zu breit, den
anderen erscheinen Gepäckträger von der Materialstärke her
unterdimensioniert. Insbesondere zur Materialstärke teilt sich die Szene
in überwiegend zwei Lager: Während den einen die oftmals anzutreffende
Materialstärke von 1,2 mm bei den Alukoffern im Falle eines Sturzes als
zu wenig widerstandsfähig erscheint, ist den anderen bei einer
Materialstärke von 2 mm das Eigengewicht der Koffer zu hoch.
Als
jemand, der aus dem Onroad-Bereich kommt, kann ich beiden Hinweisen
etwas abgewinnen. Dazu kommt noch, dass ich auf meinen Reisen einen
gewissen Komfort gewöhnt bin, auf den ich ungern verzichten möchte:
Schon lange schleppe ich keine Koffer mehr in die Hotelzimmer, sondern
nutze leichte und passgenaue Innentaschen, die zwar ein wenig Volumen
beanspruchen, aber im Handling am Ende der Tagesetappe ihre Vorteile
ausspielen. Auch die Perspektive, dann solche Taschen oder eben die
Koffer selbst komplett durchwühlen zu müssen, wenn doch gerade das
benötigte Paar Socken ganz unten in den von oben beladenen Behältnissen
liegt, hat mich bisher abgeschreckt.
Und
so habe ich bei meinen Recherchen etwas mehr Zeit investiert, um einen
Anbieter zu finden, der entweder tragfähige Kompromisse oder gar die
Wunschlösung selbst im Angebot hat. Fündig geworden bin ich dann – wie
es sich für einen Berliner, der damit in einer der größten
türkischsprachigen Städte lebt, gehört – tatsächlich am Bosporus.


Die in der türkischen Hauptstadt Istanbul ansässige Firma GlobeScout
ist auf dem deutschen Markt bislang noch nicht so sehr bekannt. Den
Deutschlandvertrieb dieser Produkte hat allein der hamburgische
Spezialist Offroad-Kontor übernommen, bei dem man die Produkte auch online bestellen kann.
Zunächst
haben mich diese Koffer allein durch ihre Form angesprochen. Sie haben
so gar nichts mit den oftmals anzutreffenden mülleimerförmigen
Blechkisten zu tun, mit denen manch ein Motorradreisender unterwegs ist.
Damit will ich deren Funktionalität nicht im Geringsten anzweifeln,
aber wie heißt es immer so schön: Das Auge is(s)t doch mit.. GlobeScout
setzt auf abgeschrägte Ecken und nimmt insbesondere den großvolumigen
Koffern etwas von der erschlagenden Wirkung anderer Modelle. Die Koffer
wirken irgendwie bullig und passen – jedenfalls nach meinem persönlichen
Geschmack – besonders gut zu großvolumigen Reisenenduros wie
beispielsweise meiner 12er GS.

Als
nächstes fiel auf, dass die Türken bei der Materialstärke einen
Mittelweg beschreiten: Mit dem von ihnen eingesetzten 1,5 mm starken
Aluminium liegen sie ziemlich mittig zwischen den Produkten ihrer
Mitbewerber. Ob sich aus diesem Kompromiss zwischen Materialmenge bzw.
-stärke und Gewicht die bessere Lösung herleiten lässt, muss sich erst
noch zeigen: Ich bringe es einfach nicht übers Herz, die GS einfach mal
so zu Testzwecken umzuwerfen. Es wird sich im Laufe der kommenden Monate
im Echtbetrieb zeigen, wie stabil Koffer und Kofferhalterungen sind.
Apropos
Kofferhalterungen: Auch diese wirken mit ihren Schnellverschlüssen
äußerst solide und wertig verarbeitet. Aber auch insoweit steht der
Stresstest erst noch aus. Zunächst haben wir uns aber um den Anbau des
dazu gelieferten Gepäckträgers gekümmert. Diesen Arbeitsschritt haben
wir im folgenden Video dokumentiert.
Während
der Montage des aus 18 mm starkem Edelstahlrohr sehr solide
gearbeiteten Gepäckträgers war ein Aspekt besonders auffällig: Der
Träger von GlobeScout ist außerordentlich passgenau und wertig
verarbeitet. Jedes Teil passte, jedes Loch saß millimetergenau. Es
bestand keinerlei Anpassungsbedarf, keine Notwendigkeit, an irgendeiner
Stelle „nachzuhelfen“. Mit einer derart kinderleichten und optimal
passenden Montage hatten wir nicht gerechnet und deutlich mehr Zeit
einkalkuliert, als tatsächlich nötig war.

Auf
jeder Seite an vier Befestigungspunkten durch Nutzung vorhandener
Befestigungsmöglichkeiten an der GS sowie eigens mitgelieferter
Klemmfäuste aus stabilem Aluminium macht der Gepäckträger nach erfolgter
Montage einen sehr robusten Eindruck, baut aber dennoch recht schmal an
das Motorrad. Dabei wird die auspuffbedingte Verbreiterung des
Motorrads durch den in der Form angepassten Träger sowie auch einen
entsprechend geformten 40-Liter-Seitenkoffer gut kompensiert.

Ebenso
überzeugend war dann der Auftritt der Adapterplatte für das
40-Liter-Alu-Topcase: Diese Adapterplatte wird auf den
Original-Gepäckträger der 12er GS geschraubt und stützt sich zusätzlich
am Heck des Fahrzeugs ab, um so das Gewicht besser zu verteilen. Dazu
muss man bei den alten Modellen der 12er GS die Kunststoff-Verkleidung
unter dem Heck etwas ausfeilen; bei neueren Modellen hat BMW dann
erkannt, dass die ursprünglich gewählte Form doch erhebliche Nachteile
mit sich bringt. Wir hatten dieses Bastelstündchen schon vor einiger
Zeit hinter uns gebracht, als wir diese Heckaufnahmen für eine andere
Adapterplatte eines anderen Zubehör-Topcase benötigten. So haben wir
jetzt etwas Zeit gespart.

Mit
den mitgelieferten unterschiedlich langen Abstandshaltern lässt sich
die Adapterplatte von GlobeScout dann perfekt ausrichten und nimmt
anschließend das Topcase satt und sicher auf.

Letztendlich
sind wir nach einer guten halben Stunde mit der Montage des kompletten
Trägersystems bei vorheriger Vorbereitung und Demontage der
Original-Kofferträger für die Vario-Koffer fertig und mit dem Ergebnis
äußerst zufrieden.

Die
Koffer selbst sind wie schon erwähnt aus 1,5 mm starkem Aluminium
gefertigt und erreichten uns bereits mit vormontierten Halterungen, was
wohl bei den modellspezifisch angebotenen Packages (http://www.globescout.com.tr/side-case-sets/xpan-aluminyum-yan-canta-seti-bmw-r1200gs-adv-2006-2013-oezel-sistem-siyah-eloksal/)
mit zwei passenden Koffern die Regel zu sein scheint. Ich habe mich für
die schwarz eloxierte Version entschieden, da diese aus meiner Sicht zu
unserem Redaktionsmotorrad am besten passt.

Die
Ecken sind mit zusätzlichen Kunststoff-Kanten versehen, die im Falle
des Falles für kleine Beträge ausgetauscht werden können. Überhaupt ist
auch die sonstige Ausstattung mit Beschlägen und Schlössern so gewählt,
dass man im Falle eines Defektes den Koffer weiter nutzen kann und nur
das jeweils defekte Bauteil austauscht. Besonders bequem ist für mich,
dass alle insgesamt 5 Schlösser mit dem gleichen Schlüssel
gleichschließend sind und ich mir eine fummelige Suche nach dem jeweils
richtigen Schlüsse ersparen kann.

Die
Beschläge sind wiederum so gestaltet, dass man nach Öffnen beider
Schlösser den Deckel komplett vom Seitenkoffer entfernen kann. Öffnet
man dagegen nur eines der beiden Schlösser an den Seitenkoffern, lässt
sich der Deckel aufstellen und wird durch ein Verbindungsband daran
gehindert, zu weit aufzugehen oder gar abzufallen.


Alle
Nähte wirken sehr sauber verarbeitet, hier wurde wirklich auf Qualität
geachtet.Ob die gewählte Form mit den abgeschrägten Seiten auch
Stabilitätsvorteile im Falle eines Sturzes mit sich bringt? Wir werden
es wohl herausbekommen...

Auch
das Topcase sitzt fest in der montierten Adapterplatte und wirkt sehr
solide.In dieser Position lässt es auch ausreichend Platz für die Sozia,
die ohne Einschränkungen Platz nehmen kann. Allein die hervorstehenden
Scharniere laden nicht gerade zum Anlehnen an, aber hier wird gewiss der
ansässige Sattler den einen oder anderen Lösungsvorschlag für uns
haben...

Soll
es dann auf große Reise gehen, kommt mein eingangs formulierter Wunsch
nach passenden Innentaschen zum Tragen: GlobeScout bietet auch selbst
passende Innentaschen für alle Koffer und das Topcase an, und das im
Übrigen zu Preisen, die ihresgleichen suchen. Also wird man wohl in
Ausstattung oder Verarbeitung nicht all zu viel erwarten dürfen, denke
ich mir noch bei der Bestellung. Aber weit gefehlt: Weiches aber dennoch
hochwertiger Kunststoff wird durch hochwertig verarbeitete Nähte
zusammengehalten und verspricht treue Begleitungen auf vielen Reisen.
Aber der besondere Clou: Diese Innentaschen sind mit einem oben
angebrachten und gekoppelten Doppel-Reißverschluss versehen, um die Be-
und Entladung von oben zu ermöglichen. Aber zusätzlich ist ein weiterer
pfiffiger dreiseitiger Reißverschluss angebracht. Dieser ermöglicht es,
die Tasche im Hotelzimmer flach auf eine Seitenwand zu legen und dann
bequem auf der anderen Seite zu öffnen. So kommt man auch problemlos an
die weit unten verstauten Schätzchen heran. Das ist genau das, was ich
mir gewünscht habe!

Insgesamt
macht das komplette Gepäcksystem bislang einen derart überragenden
Eindruck, dass wir uns zügeln müssen, nicht schon jetzt eine
Maximal-Bewertung mit Motorrad-Tourer.com-Tipp! zu vergeben. Aber bevor
wir uns dazu hinreißen lassen, müssen die Träger, die Koffer und die
Taschen im aktiven Fahr- und Reiseeinsatz ihre praktischen Qualitäten
auch tatsächlich belegen. Dennoch empfehlen wir schon jetzt allen, die
sich für nachgerüstete Alu-Koffer interessieren, sich intensiv mit den
Produkten von GlobeScout zu befassen. Diese stellen ohne Frage eine sehr
ernsthafte und interessante Alternative zu den am Markt häufiger
anzutreffenden Produkten anderer Anbieter dar und verdienen eindeutig
eine größere Aufmerksamkeit.
Insbesondere
einige zusätzliche Features, die den Nutzwert äußerst pfiffig erhöhen
und die wir demnächst hier noch weiter vorstellen werden, machen dieses
Koffer-System für Reisefreunde sehr interessant. Fortsetzung folgt.
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