Nach den Vorstellungen von kompletten Werkzeugkoffern in Teil 1 unserer Reihe Build Your Bike #BYB2016, von Schraubendrehern, Innensechskant- und Torx-Schlüsseln in Teil 2 sowie Schraubenschlüsseln und Nusskästen in Teil 3
befassen wir uns nun in diesem 4. Teil mit Zangen und mit
Schneidewerkzeugen. Dabei ist klar, dass man für verschiedenste Arbeiten
am Motorrad unterschiedliche Zangen für enge räumliche Verhältnisse
oder auch für größere Kraftübertragungen benötigt, ebenso wie die
Möglichkeit, mal eben einen Kabelbinder zu lösen, ein Kabel
abzuisolieren oder einen Streifen Klebeband abzuschneiden. Gut, wenn man
auch für dafür in der eigenen Werkstatt vorbereitet ist.
Wie
auch in den übrigen Teilen unserer Reihe ausdrücklich angesprochen
geben wir zum jetzigen Zeitpunkt unsere Einschätzung allein aufgrund des
ersten Eindrucks der Werkzeuge sowie nach einigen wenigen
handwerklichen Einsätzen ab. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass
wir uns über die eigentliche Qualität der Produkte, die nach unserer
Auffassung vor allem durch Langlebigkeit und eine möglichst
unbeeinträchtigte lange Nutzungsdauer gekennzeichnet sein sollte,
derzeit noch keine abschließende Meinung bilden wollen. Dazu werden wir
die Werkzeuge über längere Zeit im Einsatz testen und dann nach
vielleicht einem Jahr ggf. eine Aktualisierung unserer Erfahrungen hier
vornehmen.

Als
erstes müssen wir nun erneut feststellen, dass wir bei einem weiteren
Produktbereich mit dem Werkzeugkoffer von Hein-Gericke leer ausgehen,
weil in diesem auch weder Zangen noch Schneidewerkzeuge vorhanden sind.

Anders
ist die Situation dagegen beim Koffer von Rothewald, der über den
Vertrieb von Louis erhältlich ist. In diesem Koffer finden wir eine
Kombi-Zange, eine Wasserpumpemzange sowie als Schneidewerkzeug einen
Seitenschneider. Alle drei Tools mit rutschfesten Isolierungsgriffen
versehen, die gut in der Hand liegen und ein angenehmes Gefühl
vermitteln. Während sich die Wasserpumpenzange keine Blöße gibt und in
der Größe verstellbar in verschiedenen Positionen gut zupackt, sind wir
von der Kombizange nicht ganz so überzeugt:

Wenn
man mit der Spitze dieser Kombizange sehr dünne Gegenstände greifen
möchte, stellt man fest, dass die Spitzen nicht exakt schließen und
einen hauchdünnen Spalt offen lassen. Auch wenn das im Bereich von
Motorrad-Schraubereien kaum Auswirkungen haben dürfte, weil solch dünne
Gegenstände normalerweise kaum vorkommen, hat uns dies dennoch
überrascht. Hier hoffen wir, dass wir eventuell nur ein „Montagsmodell“
erwischt haben, denn ansonsten dürfte man einen exakten Griff der beiden
Backen sehr wohl erwarten. Interessierten Käufern raten wir daher, vor
dem Kauf einen kritischen Blick in den Koffer zu werfen.

Durch
dieses Erlebnis etwas kritisch gestimmt schauen wir uns dann noch den
Seitenschneider an und prüfen hier sehr genau, ob ein sauberer Schluss
der beiden Schneiden gegeben ist. Das ist allerdings der Fall und sowohl
beim Durchknipsen von stärkeren Drähten als auch beim Kürzen
dreiadriger Standard-Stromkabel erledigt das Rothewald-Tool seinen Job
tadellos.


Weitere
Schneidemöglichkeiten wie z. B. Messer sind in dem Rothewald-Koffer
nicht enthalten, so dass wir aus diesem Grund und unter Berücksichtigung
unserer Kritik an der Kombizange sowie beim Fehlen weiterer
Schneidewerkzeuge, wie wir sie weiter unten in anderen Sets finden,
insgesamt 3 von möglichen 5 LikeBikes für die Zangen und Schneidetools
von Rothewald vergeben.

Ein wahres Feuerwerk an Zangen und Schneide-Werkzeugen erwartet uns dann beim Öffnen des Meister-Koffers:
Eine Spitzzange, eine Kombi-Zange, eine Wasserpumpenzange und sogar
eine Kombi-Sicherungszange werden ergänzt um einen Seitenschneider, eine
Abisolierzange, eine Allzweckschere, sogar zwei Cutter-Messer und sogar
eine Handsäge mit verschiedenen Sägeblättern für Holz und Metall lassen
in puncto Ausstattung keine Wünsche übrig.


Hier
merkt man sehr deutlich, dass dieser Koffer eigentlich aus einer ganz
anderen Ecke kommt und für einen anderen Bedarf zusammengestellt wurde,
nämlich für den Heimwerkermarkt. Das ändert aber nichts daran, dass man
im Bedarfsfall auch in einer Hobby-Motorrad-Werkstatt froh und dankbar
sein wird, wenn man hier nicht mit leeren Händen dasteht.



Auch
machen die Zangen auf den ersten Blick einen guten Eindruck und
schließen alle sauber sowie ohne verdreht oder verkantet zu sein.

Die
Schneiden des Seitenschneiders bilden ebenfalls keinen Spalt, trennen
problemlos kräftigeren Draht und dreiadrige Kabel und auch die übrigen
Schneide-Tools zeigen auf diesen ersten Blick keinerlei Schwächen. Damit
ist auch klar, dass sich der Meister-Koffer bei Zangen und
Schneidewerkzeugen mit Fug und Recht zum jetzigen Zeitpunkt volle 5
LikeBikes insbesondere auch unter Berücksichtigung des Kaufpreises für
den gesamten Koffer redlich verdient hat.


Aber auch der Koffer FatMax von Stanley
lässt engagierte Schrauber vor allem bei Schneidewerkzeugen keinesfalls
im Regen stehen: Der Koffer beinhaltet neben einer Abisolierzange und
einem Seitenschneider noch einen Allesschneider, ein Cutter- und sogar
ein Skeleton-Sportmesser. All diese Tools sind sehr scharf, trennen oder
schneiden die verschiedenen Materialien problemlos und sind auch beim
Abisolieren von Kabeln zuverlässige Helfer. Da außerdem auch noch eine
Metallsäge zu diesem Koffer gehört, lässt sich bei Bedarf auch mal eben
schnell noch das eine oder andere Metallrohr auf die richtige Länge
bringen.



Leider
lässt sich dieser tolle und vollständige Eindruck nicht ganz bei den
Zangen durchhalten: Hier muss der engagierte Hobby-Schrauber allein mit
einer Wasserpumpenzange klarkommen und wird weder eine Kombi- noch eine
Spitzzange zur Unterstützung und vor allem für feinere oder Arbeiten in
beengten räumlichen Verhältnissen vorfinden.

Das
ist wirklich schade, denn damit verpasst der FatMax eine bessere
Bewertung, die bei uns wegen der umfangreichen Schneide-Tools aber
wieder einmal auch unter Berücksichtigung des hohen Kaufpreises des
Koffers hier gerade noch zu knappen 4 von möglichen 5 LikeBikes reicht.

Über die eben beschriebenen kompletten Koffer-Sets hinaus hat uns zusätzlich Carolus noch eine Kombizange und einen Kraft-Seitenschneider
in der 18-cm-Ausführung zur Verfügung gestellt. Beide verfügen über
sehr angenehme und mit 180 mm ausreichend lange Griffe, die aufgrund
ihres Hebels auch eine größere Kraftübertragung fördern. Das
Griffmaterial ist ebenfalls angenehm weich, ohne einen schwammigen
Eindruck zu vermitteln und bei unseren ersten Schraubereien wurde schon
gerne auf die gut schließende Kombi-Zange von Carolus zurückgegriffen.



Aber
wir wären ja keine Jungs, wenn uns nicht irgendwann auch mal ein wenig
der Hafer stechen würde: Da der Seitenschneider von Carolus als einziger
durch die Grifflänge über bessere Hebel verfügt und seine etwas andere
Kopfform ebenfalls den Eindruck besonderer Robustheit vermittelt und
obendrein noch die Bezeichnung als „Kraft-Seitenschneider“ die Phantasie
anregt, ist nach nur kurzem Blickkontakt klar, was wir ausprobieren
müssen: Schnell ist aus der Schublade eine kräftige 6mm-Schraube geholt
um zu testen, ob wir diese mit dem Carolus-Seitenschneider köpfen
können... Wir hätten es uns auch denken können: Das, was man zwar
eigentlich nicht machen sollte, was aber ohne Frage mit professionellem
Werkzeug durchaus möglich ist, klappt mit dem
Carolus-Kraftseitenschneider nicht. Die Schraube bleibt weitestgehend
intakt und der Seitenschneider weist nun eine klitzekleine Lücke
zwischen den Schneiden auf, wo die Schraube gesteckt hat. Den anderen
Seitenschneidern der übrigen Anbieter haben wir diesen Härtetest lieber
gleich erspart, ist das Ergebnis doch nur allzu leicht vorhersehbar.
Berücksichtigt
man nun aber, dass dieses Tool immerhin nur ca. 20 Euro und damit nur
einen Bruchteil von entsprechendem Profi-Werkzeug kostet, so hat sich
der Carolus-Seitenschneider wacker geschlagen und erstaunlich wenig
Schaden genommen. Vor diesem Hintergrund hat er sich auf Anhieb ebenso
wie sein Kombizangen-Geschwisterchen von uns allemal sehr gute 4 von 5
möglichen LikeBikes verdient und macht uns schon mächtig gespannt auf
die Langzeit-Erfahrungen.

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