Ein Beitrag von Andreas Lammel, Biker-Reise.de:
Man
soll ja bekanntlich niemals nie sagen und so kommt es, dass ich in
Sachen Navigation in diesem Jahr einem Gerät aus dem Hause TomTom eine
Chance gebe sich zu beweisen. Wer immer nur die alten Pfade beschreitet
kann nichts neues lernen und so werde ich mich hier dem neuen TomTom
Rider Modell 2013 ganz ausführlich widmen.

Dieser
Artikel wird über eine längere Zeit entstehen und ständig erweitert
werden, da ich mich nicht damit begnüge das Gerät kurz zu sichten und
die Bedienungsanleitung abzuschreiben. Der neue Rider muss sich bei mir
in Praxis bewähren und zeigen, was er auf dem Motorrad kann und was
nicht. Ich hoffe auf diesem Weg eine objektive Bewertung des Geräts
vornehmen zu können und mit meinen anderen Geräten vergleichen zu
können.
Faktencheck
Der TomTom Rider 2013 ist ein reinrassiges Motorrad-Navi. Nach einem kurzem Studium der Produktinformationen
im Internet und nach dem Auspacken des Geräts aus seiner Kiste wird
schnell klar: Hier hat jemand nachgedacht und sich auf das Wesentliche
beschränkt und ein Gerät für eine spezielle Zielgruppe gebaut. Im
Lieferumfang des Geräts befinden sich die für diese Preisklasse üblichen
Ram-Mount Befestigungsteile und eine Halterung mit abnehmbaren
Stromkabel. Dazu ein Netzteil für das Laden zu hause und ein USB-Kabel
mit Mini-USB Stecker. Handbücher und Datenträger mit Software sucht man
vergeblich. Lediglich ein Faltblatt mit den üblichen
Sicherheitsstimmungen und Bilder zur Ram-Mount Montage sind noch
enthalten. Eine Halterung für das Auto ist laut Handbuch im Premium
Paket enthalten.
Das
Gerät verfügt über Bluetooth hat aber keine Lautsprecher oder
Klinkenbuchsen für kabelgebundene Headsets. Der Speicher von 4GB ist
fest eingebaut (ca. 1GB frei), Slots für Speicherkarten gibt es nicht.
Neben dem 4,3″ (11cm) Multitouch-Display gibt es nur einen
spritzwassergeschützten Powerknopf und einen abgedeckten Mini-USB
Anschluss an der Unterseite. Das Gerät hat die Schutzklasse IPX7 und
sollte damit jedem Regen am Motorrad trotzen können. Das Kartenmaterial
umfasst 45 europäische Länder mit abnehmender Abdeckung nach Osten.
Details gibt es auf der TomTom Webseite.
Das
Gerät ist nach dem ersten Laden über die Mini-USB Buchse quasi
out-of-the-box benutzbar wenn es schnell gehen soll und man weiß, was
man tut. Der normale Weg ist aber ein anderer: Zeit nehmen, das Gerät
auf dem Tisch in der Nähe eines internetfähigen Computers auspacken,
ggf. Handy und Bluetooth-Headset bereit legen, einen Kaffee kochen und
sich dann in aller Ruhe mal mit den Gerätschaften befassen. Denn erst
nach dem Kontakt des Rider mit einem PC und allem was damit
zusammenhängt ist es wirklich einsatzbereit.
Hier
kommen wir auch schon zu der ersten Sache, die mir nach dem Auspacken
aufgefallen ist: Wo ist die Dokumentation? Wo ist die Software? Nun, die
Welt dreht sich weiter und das immer schneller. So ist es nicht
verwunderlich, dass beides im Internet auf der Seite des Herstellers zu
finden ist. Dadurch spart der Hersteller Kosten und hat die Möglichkeit
schneller auf neue Entwicklungen mit Updates zu reagieren. Das Gerät
verhält sich nach dem Anstecken an einen PC wie ein USB Stick und man
findet auf dem Speicher 2 Installationsprogramme zum Aufsetzen der
nötigen Software. Vorteilhaft wäre das Handbuch hier als PDF Dokument zu
speichern, so dass man auch ohne Internet darauf zugreifen kann. Diesen
Punkt muss der erfahrene PC Nutzer dann selber erledigen.
Der erste Kontakt
Das
Motorrad steht aufgrund des nicht enden wollenden Winters noch im Lager
und so kann ich mich in Ruhe mit ersten Trockenübungen dem Rider 2013
nähern. Das empfehle ich auch allen Leuten, die sich ein Navi anschaffen
wollen. Nehmt euch Zeit und lernt das Gerät erst mal kennen ehe ihr es
in der Praxis auf dem Motorrad einsetzt. Dann ist die erste Tour damit
viel entspannter. Die erste Aufgabe ist das Installieren der TomTom HOME
Basis Software auf dem PC. Dieses Programm ist quasi die Steuerzentrale
für alle Aufgaben außer der Routenplanung. Für die Routenplanung liegt
auf dem Gerät eine werbefinanzierte Version von Tyre zur Installation
bereit. Beim Anstecken des Riders meldet er sich wie erwähnt als
Massenspeicher am PC. Bei vielen Windows basierenden Computern sollte
der Autostart inzwischen deaktiviert sein und so muss man von Hand auf
dem TomTom-Laufwerk die Datei InstallTomTomHOME.exe aufrufen. Dies ist
ein Ladeprogramm, welches die restlichen Dateien aus dem Internet von
der TomTom-Seite nach lädt. Man muss also online sein.
Zum
Zeitpunkt meiner Installation zeigte sich der TomTom-Server etwas
belastet, so dass ich mich erst mal meinem Kaffee widmen konnte. Nach
dem Download und Abschluss der Installation begrüßte mich das Programm
mit einigen Meldungen, dass dieses und jenes nicht klappte wie es
sollte. Jetzt aber keine Panik, denn das liegt an den bereits erwähnten
kurzen Produktzyklen der Software-Entwickler. Nach wenigen Augenblicken
will sich nämlich die Software selber aktualisieren und lädt diesmal in
erfreulicher Geschwindigkeit einen neue Version herunter die sich
automatisch installiert und alle Fehlermeldungen sind verschwunden.
Nachdem
wir nun diese Hürde überwunden haben kann man sich in TomTom HOME
umsehen. Das Programm ist auch ohne Handbuch selbsterklärend und
unterstützt einen mit vielen Hilfen. Zuerst sollte man sich ein Konto
anlegen und das Gerät registrieren um so in den Genuss der
‘lebenslangen’ Kartenaktualisierungen zu kommen. Die sind im Preis des
Geräts enthalten. Danach folgt man den Assistenten und lässt erst mal
alles aktualisieren, das er so findet. Zeit für einen zweiten Kaffee.
Nehmt euch anschließend die Zeit und klickt mal durch die Menüs. Hier
fällt mir dann schon auf, dass einige Punkte nicht anwählbar sind und
das führt mich dann zum zweiten Teil des Faktenchecks.
Was kann das Gerät und was nicht?
TomTom
hat hier eine ganz klare Linie an den Tag gelegt. Der Rider 2013 ist
ein Navi ohne Schnick und Schnack. Es kann Navigieren, Routen am Gerät
planen und dabei kurvenreiche Strecken berücksichtigen, man kann es mit
am Computer geplanten Routen als Roadbook auf Touren und Reisen nutzen
und es erlaubt die Kommunikation mit Handy und Headset via Bluetooth –
sonst nichts. Es gibt keinen Musikspieler, keine Bilderbetrachter, kein
Multimedia, kein TMC oder andere Verkehrshilfen. Weniger ist aber
manchmal auch mehr und so kenne ich meine alten Geräte vom Wettbewerber.
Viele Geräte auf dem Markt protzen mit tausenden Funktionen die
letztendlich niemand nutzt und die Nutzung nur erschweren. Vom
Funktionsumfang bleiben für ein Straßen Navi nach dem ersten Eindruck
wenig Wünsche offen. Man kann Routen mit insgesamt 100 Wegpunkten vor
planen, man kann Tracks aufzeichnen und eigene Points of Interest (POI)
laden. In der Praxis wird sich dann zeigen müssen, wo die Stärken und
Schwächen des Geräts liegen.
Bluetooth (BT)
Die
einzige Neuerung, die ich am Rider 2013 gegenüber meinen Altgeräten
habe, ist die Bluetooth Unterstützung. Der Rider unterstützt laut
Webseite eine ganze Palette moderner Handys und auch mein nicht mehr
aufgelistetes HTC HD2 Smartphone mit Windows Mobile 6.5 lässt sich über
den Assistenten Problemlos mit dem Gerät verbinden. Zur Tonwiedergabe
ist noch ein ein Bluetooth-Headset von Nöten und ich setze hier mein im
Helm verbautes BlueBike IN ein.
Um
es vorweg zu nehmen: Die Bluetooth Unterstützung begeistert mich. Hier
funktioniert bei meinen Trockenübungen das Zusammenspiel meiner 3 Geräte
tadellos und das obwohl meine Konfiguration nicht ganz einfach ist.
Zuerst habe ich mein Handy für BT sichbar gemacht und so eingestellt das
neue Verbindungen akzeptiert werden. Das ist in jedem Gerät etwas
anders gelöst und ggf. muss man hier ein wenig nachlesen. Ist aber in
der Regel recht einfach. Aber bitte nicht vergessen die Einstellungen
nach den erfolgreichen Verbindungen wieder zu sichern! Dann habe ich am
Rider den BT Assistent für Handys gestartet und suchen lassen. Den
Weisungen folgend gibt man beim Verbindungsaufbau die PIN auf dem Handy
ein (Vorgabe 0000) und kann bei mir anschließend das Telefonbuch vom
Handy auf den Rider übertragen lassen. Damit steht die erste Verbindung
Handy Rider als Handsfree (Freisprechen).
Als
nächstes stelle ich mein Helm-Headset auf “bereit zum pairen” ein und
starte auf dem Rider den Assistenten für die Tonausgabe. Diese beginnt
zu suchen, scheitert aber bei mir erst mal. Nicht verwirren lassen und
weiter machen, solange bis es klappt. Der Rider probiert offenbar von
sich aus verschiedene Einstellungen durch und nach ein paar Versuchen
hat er meine BlueBike gefunden, was der Helm mit der passenden Ansage
bestätigt. Die Kommunikation erfolgt zwar nicht in A2DP ist aber
trotzdem klar und sauber zu verstehen. Das Telefonieren klappt
einwandfrei in beide Richtungen. Die Bedienung des Telefons erfolgt über
den Touchscreen des TomTom.
Soweit
die Pflicht, jetzt zur Kür. Da der Rider kein Musik spielen kann und
auch keine A2DP Verbindung aufbaut dachte ich, dass ich nun versuchen
kann mein Handy zusätzlich mit A2DP für Stereo-Wiedergabe mit dem Helm
zu verbinden. Helm ist an, Navi mache ich aus. Dann auf dem Handy die
Suche gestartet und mein Helm kommt wie gewohnt. Ich ignoriere die
vorgeschlagene Handsfree Verbindung und aktiviere nur die
Musik-Verbindung. Es klappt perfekt. Navi wieder an und ich kann alles
einwandfrei benutzen. Musik, die vom Handy zum Helm kommt wird durch den
Rider unterbrochen wenn ein Telefonat kommt oder Ansagen gemacht
werden, danach setzt die Musik wieder ein.
Die Praxis in den nächsten Tagen wird zeigen ob diese Verbindungen auch über längere Zeit stabil laufen.
UPDATE 26.04.2013:
Die Routenplanung
Das
Kernstück jedes Navigationsgerätes ist die Routenplanung, oder sollte
es sein, wenn es ernst genommen werden will. Das mich ein Navi vom
aktuellen Standpunkt zu einem von mir bestimmten Ziel bringen soll, ist
auch nicht weiter erwähnenswert. Das machen alle Geräte aller
Preisklassen mehr oder weniger gleich gut. Wo ist die nächste
Tankstelle? Wo ist die nächste Apotheke? Kein Problem, das Gerät kann
den Weg schnell planen und führt und hin.
Schwieriger
wird es, wenn man so ein Gerät für die Freizeitplanung einsetzt und
damit geplante Touren fahren oder auf mehrtägige Reisen gehen will. Hier
wird die Geschichte sehr schnell komplex und man muss gut überlegen,
was will ich, was kann das Gerät und wie setzen wir das nun um? Um das
von TomTom verfolgte Konzept zu verstehen, sollte man doch mal einen
Blick in das Handbuch werfen. Ich habe auf einer anderen Marke gelernt
und stelle hier einige Unterschiede im Detail fest, die mich zum
Nachdenken zwingen.
Beginnen
wir mit der schnellen Routenplanung für ungeduldige Biker am Gerät.
Spontan entschließt man sich zu einer Tour oder sitzt abends im Hotel
und will eine schöne Tour durch die Gegend fahren und das möglichst
nicht nur geradeaus. Der Rider bietet hier neben den von anderen Geräten
bekannten Funktionen zur Vermeidung von Autobahnen und anderen üblichen
Ausschlüssen (Schnellste, Kürzeste, Fußgänger, Fahrrad etc.) die
Möglichkeit, eine kurvenreiche Strecke zu bevorzugen. Das ist der
Versuch, einen automatischen Mix von Stadtzentren umfahren, Autobahn
vermeiden, schnellster Route und viele Kurven zu erzeugen, um zum Ziel
zu gelangen und die Motorradfahrer glücklich zu machen. Ob das gelingt,
bestimmen aber mehrere Faktoren. Zuerst müssen überhaupt genügend
Straßen vorhanden sein. Dann müssen angepeilte Stadtzentren auf der
Route laut Handbuch mindestens 30km voneinander entfernt sein, damit das
klappt. Die Planung selber geht einfach: Startpunkt, Zielpunkt,
berechnen lassen, danach ggf. ändern und Zwischenziele einfügen –
fertig.
Das
ist eine nette Funktion, um einfach mal ins Blaue zu fahren und sich
überraschen zu lassen, wo es lang geht. So erzeugte Routen können
gespeichert werden und mit anderen Ridern sogar über BT ausgetauscht
werden, um in einer Gruppe schnell die eben geplante Route
auszutauschen. Die gespeicherten Routen lassen sich später auch zum
Computer übertragen und dort weiter verarbeiten und per Community
Funktion von TomTom HOME auch mit anderen teilen. Und damit kommen wir
gleich zur zweiten Art der Planung von Routen: die computergestützte.
Der
Rider gehört zu der Kategorie von Navigationsgeräten, die sich auch vom
Computer aus mit Routen füttern lassen. Das ist nicht immer bei allen
Geräten der Fall. Fast möchte ich behaupten: je billiger ein Gerät ist,
desto weniger findet man die Funktion, und wenn sie vorhanden ist, dann
oftmals nur eingeschränkt und auf wenige oder gar nur eine Route
beschränkt. Der Rider will ein Reisebegleiter sein und lässt deshalb zu,
eine große Zahl an vorgefertigten Routen auf dem Gerät zu speichern und
bei Bedarf abzurufen. Damit ist es theoretisch problemlos möglich, für
jeden Tag einer Reise eine Route anzufertigen und dann aufzurufen wenn
man sie braucht. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail.
Bei
TomTom ist es so, dass das Kartenmaterial immer nur im Gerät steckt. Es
gibt keine echte 1:1 Kopie für den Computer, so wie das bei Garmin der
Fall ist. Dadurch ergibt sich der Umstand, dass am PC geplante Routen
nie 100% zu dem Kartenmaterial auf dem Gerät passen. Eine PC-geplante
Route wird das TomTom immer selber noch einmal neu berechnen, wenn man
sie zur Navigation aktiviert. Wer jetzt bei der PC Planung nicht
sorgfältig ist und meint, dass es mit Setzen von Start, Ziel und
Zwischenzielen getan ist, weil es am PC so hübsch aussieht, kann
unterwegs böse überrascht werden, wenn das Navi auf einmal ganz woanders
lang will. Das gilt auch für Routen aus Fremdquellen im Internet.
Bei
der Erstellung von geplanten Routen für ein TomTom sollte man unbedingt
darauf achten die maximal mögliche Anzahl von 100 Wegpunkten pro Route
auszunutzen. Das Programm Tyre unterstützt einen in diesem Punkt auf
Wunsch automatisch, wenn man in den Optionen den entsprechenden Wert auf
100 setzt und dem Programm sagt, dass es die Route mit Wegpunkten
auffüllen soll. Das Navi berechnet die Route immer von Wegpunkt zu
Wegpunkt, so dass wir am PC versuchen müssen, ein möglichst robustes
Gerüst zu bauen. Je mehr Wegpunkte am PC gesetzt werden, umso genauer
wird das Navi die Route später selbst berechnen und das Ergebnis
identisch mit der PC-Planung sein. Hat man dieses Konzept verinnerlicht,
steht einer erfolgreichen Planung am PC nichts im Weg (außer
Baustellen).
Diese
TomTom-Eigenart ist auch die Grundlage von immer wieder auftretenden
Missverständnissen zwischen den Garmin Nutzern und TomTom Nutzern. Auf
dieses Problem werde ich auf meiner Seite demnächst gezielt eingehen und
es von beiden Seiten nochmals beleuchten. Hier bleiben wir beim Test
des Rider 2013 und machen uns bereit für die erste Ausfahrt.
Die Praxis
Der
Rider ist mittels RAM-Mount schnell am Motorrad montiert. Wenn die
mitgelieferten Halter nicht reichen oder man eine spezielle Lösung
sucht, wird schnell im Handel fündig. So habe ich für meine Yamaha eine
passende Kugel für die Spiegelhalterung besorgt und das Gerät dort
befestigt. An dieser Position verdeckt es keine Instrumente und der
Blick in den Spiegel bleibt ungehindert erhalten. Nach der Demontage des
Halters, was mit einem Handgriff erledigt ist, bleibt lediglich die
untere Kugel am Fahrzeug und das Kabel der Stromversorgung, welches sich
einfach aus dem Halter lösen lässt. Beim Verlegen des Stromkabels zu
einem Zündungs-Plus sollte man noch eine Sicherung dazwischen setzen. Im
Lieferumfang ist keine enthalten. Ich habe eine träge 5A Feinsicherung
für alle Fälle eingesetzt.
Die
ersten Fahrten erfolgten in der Stadt ohne Planung von Routen am PC.
Die Basisaufgabe lautete: Ich bin hier, bring mich bitte auf dem
schnellsten Weg nach da. Dazu reichen wenige Eingabe auf dem
Touchscreen, die auch mit Handschuhen problemlos zu erledigen sind.
Lediglich die Eingabefelder am unteren Rand zur Bestätigung der Eingabe
(Fertig) sind etwas klein geraten, aber noch gut bedienbar. Die Route
wird mit Berücksichtigung historischer Datenhebungen durch TomTom
(IQ-Routen) schnell berechnet. In meiner ersten Strecke gab es auch
gleich eine nette kleine Aufgabe zu bewältigen: Abbiegen auf der
Autobahn in einem Tunnel. Das hat der Rider überraschend gut gemacht.
Bei gleichbleibender Geschwindigkeit projiziert er die
Abbiegeanweisungen recht genau und nervt nicht mit Abbrüchen durch nicht
vorhandenen Sat-Fix. Natürlich sind dem sicher auch Grenzen gesetzt
aber bei Stadt-Tunneln tut sich die Konkurrenz schwerer. Der
Fahrspurassistent auf dem Bildschirm zeigt sehr schön an, wo es
weitergeht.
Die
Ansagen kommen klar verständlich und rechtzeitig, wenn auch ein wenig
träge gesprochen. Straßennamen werden nicht angesagt (kein TTS,
synthetisches Vorlesen der Namen). Das Zusammensetzen der Anweisungen
enthält immer eine kleine spürbare Verzögerung als ob die Dame mit einem
unwilligen Kind spricht. Das ist aber möglicherweise eine reine Frage
der Gewohnheit und fällt später nicht weiter auf. Was mir viel mehr
auffällt, sind die Anweisungen, sich auf der Autobahn links zu halten.
Das passiert auf dem Berliner Stadtring öfter mal durch die vielen
Verzweigungen und ist eigentlich bei dieser mehrspurigen Straße unnötig.
Allerdings ist das wohl dem Kartenmaterial geschuldet und kann dem
Rider nicht angelastet werden. Außerdem gilt noch immer: Augen auf im
Straßenverkehr und nicht blind auf das Navi vertrauen.
Die
Ablesbarkeit des Geräts im Tageslicht bei Sonne ist gut. Das Display
ist entspiegelt, allerdings ist hier, wie bei allen Geräten mit
Touchscreen, auch der Winkel zur Sonne entscheidend. Bei direkter
Einstrahlung zum Blickwinkel kann man nur sehr wenig erkennen, aber
trotzdem kann ich sagen, dass mir der Bildschirm recht gut gefällt. Im
Wettbewerb gibt es deutlich dunklere oder spiegelnde Displays, die im
Tageslicht kaum erkennbar sind.
Das
Abfahren von PC geplanten Routen beinhaltet noch 2 kleine Dinge, die
man beachten muss und den Umgang damit üben sollte. Baut man auf seiner
Route Ziele anstatt von Wegpunkten ein (Mittagspause hier etc.) und
passiert so ein Ziel so endet hier die Navigation und wird nicht
automatisch fortgesetzt. In diesem Fall muss über das Menü (geht auch
als Direktlink vom Hand-Menü) die Funktion ‘Reiseroute fortsetzen’
benutzt werden um den Rest der Route navigieren zu können. Der andere
Fall ist das Ignorieren von Wegpunkten (WP) auf der Route, von denen ja
bis zu 100 Stück vorhanden sein können. Hier besteht das TomTom
beharrlich darauf, diesen passieren zu wollen und berechnet lustig immer
neue Anweisungen um zu diesen ausgelassenen Punkt zu kommen. Zum Glück
blendet der Rider in einem solchen Fall auf dem Bildschirm ein Symbol
ein, welches man an-tippen kann und weiter geht es zum nächsten WP. Eine
Lösung, mit der man leben kann. Besser finde ich aber eine Funktion
welche bei Annäherung am nächsten WP automatisch den verpassten WP
ignoriert, so wie es z.B. Garmin bei älteren Geräten handhabt. Man
sollte also nie zu viele WP in kurzen Abständen setzen um nicht ständig
die Skip Funktion nutzen zu müssen.
Die
Lesbarkeit des Bildschirms im Tageslicht bei Sonne ist brauchbar und
kann durch die Auswahl eines passenden Farbschema optimiert werden. Für
diesen Zweck findet man im erweiterten Farb-Menü das Schema
‘Sunlight-Optimized’ welches stärkere Kontraste hat. Das Display ist
entspiegelt, allerdings ist hier, wie bei allen Geräten mit Touchscreen,
auch der Winkel zu Sonne entscheidend. Bei direkter Einstrahlung zum
Blickwinkel kann man nur sehr wenig erkennen aber trotzdem kann ich
sagen, dass mir der Bildschirm recht gut gefällt. Im Wettbewerb gibt es
deutlich dunklere oder spiegelnde Displays, die im Tageslicht kaum
erkennbar sind. Die Datenfelder auf der Anzeige lassen sich entweder am
unteren Rand oder an der Seite positionieren. Da der Rider ein breites
Querformat besitzt bevorzuge ich die Anzeige der Felder am rechten Rand,
so dass für die Karte mehr Platz in der Vertikalen vorhanden ist. Die
Datenfelder lassen sich in engen Bereichen selber auswählen oder
Ausblenden. Die Einblendung des erlaubten Tempos erfolgt überraschend
zeitnah und stimmt selbst auf Brandenburger Alleen in weiten Bereichen.
Hier sprießen neue Tempolimits durch den sogenannten Alleenerlass
wie die Pilze nach einem Sommerregen aus dem Boden. Wenn ich das
richtig beobachtet habe, werden sogar zeitweise verhänge Limits (z.B.
Tempo 30 von 8-18Uhr) korrekt verarbeitet. Allerdings muss ich das noch
mal genauer testen.
Auf
den nun hinter mir liegenden Touren, auf denen mich der Rider
begleitete, kam auch die Möglichkeit zum Aufzeichnen der zurückgelegten
Strecke zum Einsatz. Die Funktion der Tracklog-Aufzeichnung kann am
Rider direkt dazu verwendet werden um aus einer Aufzeichnung eine
gespeicherte Reiseroute zu erzeugen und später am PC ausgelesen werden,
wobei man mit dem Programm Tyre über den Massenspeichermodus auf den
Rider zugreift und das Log aus dem Ordner /gpx importiert. Bei der
Analyse der aufgezeichneten Daten liegt die Genauigkeit im erwarteten
Bereich und ist für Straßenfahrer ausreichend. Die Aufzeichnung der
Daten erfolgt ohne das der Benutzer irgendeinen Einfluss darauf nehmen
kann, er wird lediglich nach dem Einschalten des Geräts gefragt ob man
die laufende Aufzeichnung fortsetzen will. Die Daten enthalten aber
leider nur die geografische Position. Zeitstempel und Höhenangaben
fehlen komplett und dadurch kann man die Daten des Logs auch nicht für
das Geo-Taggen
von Fotos oder bestimmen der Geschwindigkeit verwenden. Der
Gelegenheitsfahrer und normale Navi-Verwender wird das aber nicht
vermissen.
Bei
der Umwandlung der Aufzeichnungen in Routen zum späteren Nachfahren
sollte man aber ein gewisses Maß an Skepsis an den Tag legen.
Theoretisch funktioniert das sehr gut, da der Rider ja immer noch einmal
alles neu berechnet. Die Tücke an der Sache sind aber manchmal ungenaue
Trackpunkte die mal schnell auf der Gegenfahrbahn einer mehrspurigen
Straße liegen. Auf Bundesstraßen oder Autobahnen wendet man nicht und so
ergeben sich mitunter lustige Schleifen in der Wegführung. Innerort
reicht oftmals schon eine Verkehrsinsel mit getrennten Spuren um einen
Abstecher in die Seitenstraßen zu machen wenn der Wegpunkt verrutscht
ist. Man sollte diese Routen immer mit Tyre laden und auf solche
Abweichungen untersuchen und ggf. Nachbessern. Schön ist aber, das mit
dem Rider überhaupt so eine Möglichkeit hat die man bei anderen Geräten
durchaus vergeblich suchen kann.
In
unseren Kaffeepausen bleibt immer mal die Gelegenheit auf dem Gerät zu
stöbern. Ich reiche es herum und jeder probiert mal aus. So kommt es,
dass irgendwann mal jemand den Menüpunkt ‘Hilfe’ im Gerät sieht. Eine
Onlinehilfe zum Gerät denkt man sich, brauch ich nicht … aber nein, da
steckt doch glatt eine kleine pfiffige Funktion hinter. Hier geht es
nämlich darum, wie ich an meinen Standort schnell Hilfe bekomme, wenn
Not am Mann ist. Neben dem Kartenausschnitt der aktuellen Position
erhält man wesentliche Informationen wie man jemandem am Telefon erklärt
wo man ist und hat mit verschiedenen Menüs die Möglichkeit relevante
POIs aufzurufen (Polizei, Rettung, Pannenservice etc.) und das bei
Bedarf gleich über das per BT verbundene Handy. Ein Klick auf das Icon
reicht. Wer mitten im Wald in einer unbekannten Gegend liegen bleibt
könnte diese Funktion durchaus zu schätzen wissen.
Fazit
Der
Rider 2013 überrascht mich positiv und präsentiert sich mir als gut
gereiftes Gerät. Bislang konnte ich keinerlei Fehlfunktionen feststellen
und Abstürze oder Hängenbleiben gab es auch keine. Alle Funktionen
lassen sich ohne Verzögerungen aufrufen und der Rider reagiert recht
schnell auf die Wünsche der behandschuhten Hand. Die Berechnung der
Routen erfolgt zügig ohne lange Wartepausen. Wetterfest ist er offenbar
auch, denn selbst nach langer Regenfahrt und eine über Nacht am Motorrad
verbliebene Halterung bei Mistwetter funktioniert alles wie es soll.
Ein längerer Test in praller Sonne steht noch aus, das Wetter spielt
nicht mit. Das Gehäuse ist recht griffig und die Verarbeitung macht
einen guten Eindruck. Die RAM-Mount Halterung samt Craddle funktioniert
bislang tadellos.
Auf
der Softwareseite kann ich sagen, dass die Steuerung über TomTom HOME
V2 kinderleicht ist. Hier kann man nicht wirklich was falsch machen und
die Bedienung erfolgt intuitiv. Etwas durchwachsen ist mein Eindruck von
Tyre zur Routenplanung am PC. Eigentlich ein schönes Programm das
einfach zu bedienen ist aber es kann in der von mir getesteten Version
6.3 zur Geduldsprobe werden. Wenn mehr Wegpunkte ins Spiel kommen, die
Route länger wird und gar ein Tracklog geladen werden soll, wird der
Bildaufbau auch auf schnellen Computern zur echten Belastung. Ob das mit
dem verwendeten Onlinezugriff auf Google Maps in Zukunft optimierbar
ist kann ich nicht beurteilen. Der Ansatz stimmt schon und das Programm
erfährt regelmäßig Updates, so dass die Hoffnung bleibt irgendwann mal
einen Performance Schub erleben zu können.
Ich
muss feststellen, dass der Rider Modell 2013 mich sehr positiv
überrascht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das als
eingefleischter Garmin Nutzer jemals sagen würde. Zusammenfassend würde
ich das so beschreiben:
Positiv
- Einfach zu bedienen, auch mit Handschuhen
- schnelle Reaktionen des Systems, einfache Routen sind schnell geplant
- brauchbarer Touchscreen und gute Verarbeitung, Öse für Trage/Fangschlaufe
- Kartenmaterial mit Lifetime Update, einfache Bediensoftware und simples Geräte Update
- akzeptables Preis/Leistung Verhältnis
- Vorgefertigte Routen können als Reisebegleiter im Gerät gespeichert werden, Routentausch über Web und BT
- funktionierendes BlueTooth
- Funktionen über installierbare Plug-In Tools bedingt erweiterbar (Tripcomputer, NMEA Aufzeichnung)
- Tracklog ohne Zeitstempel und Höhenangaben
- Routen werden immer am Gerät neu berechnet da es kein Kartenmaterial für den Computer gibt
- ausgelassene Wegpunkte müssen manuell quittiert werden
- Kartenzoom im Routing Modus nicht auf festen Wert Fixierbar (Geschmackssache)
- keine verkabelte Headsets möglich, Akku fest eingebaut
Wenn
TomTom weiter so an dem Gerät arbeitet kommt das Gerät meinen
Vorstellungen vom optimalen Motorrad-Navi ein Stück näher. Aber wie ich
eingangs erwähnte: Die Welt dreht sich halt immer weiter.
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