Die
Österreicher Cordula und Rudi Froese haben sich vorgenommen, den Balkan
in zwei sechswöchigen Etappen zu durchqueren und sich dabei der schon
historisch zu nennenden Strecke Wien – Istanbul zu widmen. Leider geht
es schon bei den Angaben der reinen Zahlen und Fakten ein wenig
durcheinander: einerseits sei diese Reise geprägt durch 9 Länder, 9
Sprachen, 18 Grenzen und 8000 km, die in 30 Tagen zurückgelegt worden
seien. Andererseits hätte man 14 Staaten in zwei Etappen zu je 6 Wochen
bereist.

Und
mit diesem Durcheinander geht es leider ziemlich schnell weiter: So
wird schon nach wenigen Minuten berichtet, dass Cordulas BMW F650 nach
der ersten Reise vor der Haustür gestohlen worden sei, weswegen sie den
zweiten Teil der Reise dann mit einer Yamaha XT 660 R angetreten sei.
Leider wechseln sich dann schon in diesem ersten Teil der
Videodokumentation die Szenen mit der F650 munter mit solchen ab, in
denen die XT 660 R im Bild erscheint. Das zeigt all zu offensichtlich,
dass hier die Szenen weder chronologisch noch regional zutreffend und
nachvollziehbar zusammengestellt wurden und wirft damit schon sehr früh
einen Schatten auf das Video.
Dabei
ist zumindest der Einstieg recht gut geglückt, als ein Überblick über
das Vorhaben Interesse beim geneigten Zuschauer erzeugt und Lust auf die
kommenden Eindrücke und Erlebnisse macht. Dass sich die Fahranfängerin
Cordula schon kurz nach erfolgreich bestandener Führerscheinprüfung auf
eine solche Reise macht, mag einerseits verwundern und Bedenken
aufkommen lassen, zeigt andererseits aber auch, dass man durch nichts
anderes als Fahrpraxis schnell an Sicherheit und Souveränität gewinnen
kann.
An
den verschiedenen Zwischenzielen zeigen Cordula und Rudi, dass und wie
sie jeweils mit den dort lebenden Menschen in Kontakt gekommen sind. Mal
erleben wir die „übergeholfene“ Probe des Selbstgebrannten eines
bodenständig und sehr kamerafreudig daherkommenden Landbewohners mit,
mal besuchen sie ein Rockkonzerts mit plötzlichem Konzertende infolge
sintflutartiger Regenfälle. Zwar sind diese Szenen nicht völlig frei von
einer gewissen „Gestelltheit“, aber wer sich vor Augen hält, wie
schwierig es ist, insbesondere in hier teilweise besuchten muslimisch
geprägten Ländern wildfremde Menschen vor die Kamera zu bekommen, wird
dies gerne nachsehen.
Auch
der Besuch der beiden Protagonisten an Stätten, die an den jahrelangen
und verheerenden Bürgerkrieg zwischen Bosnien und Serbien erinnern,
greift die damit zusammenhängende Problematik in sehr angemessener
Stimmung und mit Fingerspitzengefühl auf. Leider schafft es der Film im
Verlauf aber nicht, mich anzufassen und auf die Reise mitzunehmen, für
mich bleibt es irgendwie dauerhaft beim Dahinplätschern. Das gilt auch
für den zusätzlich erhältlichen Bildband mit weiteren fotografischen
Eindrücken der Reise.
Deswegen
und unter Berücksichtigung der eingangs erwähnten Unstimmigkeiten
reicht es in diesem Fall leider nur zu einer Vorstellung der DVD, nicht
aber zu einer Empfehlung. Zusammen mit der Neueinführung einer
graphischen Bewertungsdarstellung, wie sie künftig von
Motorrad-Tourer.com in Produktvorstellungen und -tests verwendet wird,
reicht es in diesem Fall leider nur für zwei von fünf möglichen
Like-Bikes:
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