Montag, 5. September 2016

Cams for Bikes – Vergleichstest Action-Cams

Herbst 2012:


Action-Cams erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, seitdem HD-Qualität auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich geworden ist. Bereits für kaum mehr als 100 Euro kann man bei HD-Schnäppchen zuschlagen und fündig werden. Warum also viel Geld ausgeben?


Grund genug, sich einige aktuelle Modelle in ganz unterschiedlichen Preisklassen anzusehen. Dabei möchte ich von der Form zwischen den eher stromlinienförmigen, eher länglich gebauten Modellen und den eher würfelartigen unterscheiden, die dem Wind gerade bei zügiger Fahrt auf dem Motorrad etwas mehr Angriffsfläche bieten.

Vorab:  Die Testaufnahmen aller Cams sind im YouTube-Channel abrufbar, teilweise, wenn auchdeutlich komprimiert, im flickr-account. Dort findet man auch Fotomaterial zu den Kameras.




Wir beginnen mit der Alan Midland XTC-200. Diese eher stromlinienförmige Kamera begleitet mich schon seit über einem Jahr auf meinen Motorradreisen und zählt heute eigentlich nicht mehr zum „State of the art“: Mit einer Auflösung von „nur“ 720p wird sie von den anderen Testteilnehmern überflügelt. Ich schätze an ihr die einfache, schon digital anmutende Bedienung: Mit dem großen Schieberegler an der Oberseite wird die Kamera gleichzeitig angeschaltet und die Aufnahme gestartet bzw. die Aufnahme beendet und die Kamera ausgeschaltet.. Die große Angriffsfläche verspricht eine gute Bedienbarkeit auch mit dicken Motorradhandschuhen.


Für die Wasserdichtigkeit wird ein gesondertes Gehäuse benötigt, das die Kamera dann hermetisch abschirmt und sogar, auf dem Motorrad eher unübliche, Aufnahmen unter Wasser ermöglichen würde. Pfiffig gelöst sind die Befestigungsmöglichkeiten: Egal ob mit oder ohne wasserdichtem Gehäuse, es können die gleichen Haltevorrichtungen genutzt werden. Das gilt ebenso für die hauseigenen Vorrichtungen wie auch für das jeweils unten angebrachte Stativgewinde, das diese Kamera zusätzlich noch am Straßenrand aufgestellt für eindrucksvolle Vorbeifahrten prädestiniert, wenn man allein unterwegs ist.
Die Aufnahmen werden auf einer Micro-SD-Karte gespeichert. Tele- oder Zoomfunktionen sucht man vergeblich, ebenso die Möglichkeit, Fotos mit der Cam zu schießen. Als Kontrollen für den Akkuzustand und momentane Aufnahmefunktionen dienen lediglich kleine LEDs; ein Display oder gar einen Monitor findet man an dieser Kamera nicht.




Aus dem gleichen Hause kommt dann schon der erste Konkurrent: Die XTC-300 stammt ebenfalls von Alan Midland und erinnert schon in der Form sehr an ihre kleine Schwester. Bei etwas größeren Abmessungen ist diese Kamera allerdings sogar Full-HD-fähig mit einer maximalen Auflösung von 1920 x 1080 und besitzt einen etwas größeren Lithium-Ionen-Akku. Ansonsten erinnern Aufbau, notwendiges Zusatzgehäuse für die Wasserdichtigkeit und Bedienbarkeit sowie die Möglichkeiten der Befestigung ebenfalls an die kleinere Schwester. Insofern verspricht dieser Test auch einen direkten Vergleich zwischen den beiden Produkten dieses Hersteller. Zu eventuellen Helfern beim Verwackeln der Aufnahmen wird zu beiden Modellen nichts gesagt.




Wer sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, kommt an dem Platzhirsch nicht vorbei: Die Hero2 vom Branchenprimus GoPro hat die in die Jahre gekommenen Modelle der der Hero abgelöst. Von dieser würfelförmigen Kamera, die oben auf dem Helm angebracht die Erinnerung an die Teletubbies aufleben lässt, existieren zahlreiche Videoaufnahmen in den zahlreichen Internetportalen. Neben einer Full-HD-Auflösung wartet auch die Hero2 mit einem wasserdichten Gehäuse auf, bei dem – je nach zusätzlich geordertem Zubehör – der rückwärtige Deckel austauschbar ist. Auch ich werde ein wenig basteln, habe ich doch das W-LAN-Pack zum Empfangen der per Fernbedienung übertragenen Befehle aufgesteckt. Das ist die Alternative zu einem ebenfalls als Zubehör erhältlichen LCD-Display, wenn man direkt an der Kamera kontrollieren möchte, was gerade aufgenommen wird. Da auch ich mir vorgenommen habe, einige Aufnahmen vom Helm aus anzufertigen, war die Fernbedienung für mich die interessantere Wahl.
Der leistungsfähige Akku soll nach Herstellerangaben Aufnahmen von bis zu 6 Stunden ermöglichen. Wir werden sehen. Sehr interessant: Die Hero2 verfügt über einen Eingang für ein externes Mikrofon. Das ist gerade bei den unangenehmen Windgeräuschen während der Motorradfahrt ein wichtiges Feature. Ein derart angeschlossenes externes Mikrofon in der Nähe des Motors platziert kann bei entsprechend kurvenreicher Strecke schon eine ausreichende Hintergrundkulisse zu spektakulären Bildern liefern. Das erspart die Suche nach GEMA-freier und dennoch passender Musik, will man nicht eine frühzeitige Intervention der Videoportale riskieren, die dem Urheberschutz Sorge tragen müssen.
Die Aufnahmekontrolle gelingt über die Angaben im kleinen Display, das vorn neben dem Objektiv platziert wurde. Die Aufnahmen werden auf einer SDHC-Karte bis maximal 32 GB gespeichert. Je größer die eingesetzte Karte ist, desto höher sollte dann auch die Katenklasse sein (sinnvoll etwa Class 6).
Für die Befestigung werden verschiedene Alternativen mitgeliefert, die aber immer einen Einsatz des wasserdichten Gehäuses erfordern. Ein Stativgewinde sucht man leider vergeblich. Dafür kann man die Heros2 aber auch als Fotoapparat mit einer beeindruckenden Auflösung von 11 MP nutzen.




In der Szene noch nicht so weit verbreitet ist die JVC ADIXXION GC-XA1. Diese von der Form eher den Midlands ähnlich wirkt aber deutlich bulliger als diese beiden eher zart wirkenden Teilnehmern. Der Hersteller verspricht Stoßfestigkeit und Wasserdichtigkeit bis 5 Meter auch ohne extra Gehäuse. Als besonders spektakulär erscheint die angepriesene Einsatzmöglichkeit bis Minus 10 Grad Celsius: Mit dieser Cam steht also auch dem nächsten Alaska-Trip oder Besuch des Nordkaps nichts mehr im Weg.


Die Adixxion verfügt über einen seitlich angebrachten Monitor, der allein der Kontrolle dient, welches Motiv aktuell aufgenommen wird. Der Aufnahmestatus selbst wird über eine kleine rot-blinkende LED oberhalb des Objektivs zurückgemeldet. Auch hier kommt eine SDHC- oder SDXC-Karte als Speicher zum Einsatz.
Für die Full-HD-Aufnahmen weist die ADIXXION als einzige Kamera im Testfeld mit einer Besonderheit auf: Neben einem am Geräteboden platzierten Stativgewinde findet man ein zweites, das seitlich am Gehäuse weitere Anschlussmöglichkeiten bietet. Vielleicht lässt sich damit ja auch eine spektakuläre Position direkt an der Gabel ermöglichen? Da könnte ein Einsatzgebiet für den elektronischen Bildstabilisator warten.
In jedem Fall steht eine Auflösung von 5 MP für Fotoausnahmen zur Verfügung.


Ebenfalls schon in die Jahre gekommen und auch optisch aus der Norm fallend beteiligt sich auch die Kodak Playsport an diesem Vergleich. Eigentlich ist diese Kamera im Handy-Format eher für den Freizeiteinsatz im Urlaub mit spontanen Aufnahmen egal ob am Strand oder im Pool konzipiert. Wasserdicht ohne extra Gehäuse bis 3 Meter und stoßfest eignet sie sich aber dennoch auch für den Einsatz auf dem Motorrad. So ist am Boden ein Stativgewinde platziert, dass verschiedene Optionen für die Befestigung ermöglicht.
Die Aufnahmen werden auf eine SDHC-Karte gebannt, nachdem sie von einem elektronischen Bildstabilisator beruhigt wurden. Ansonsten warten neben einem Mini-USB-Anschluss ein HDMI-Ausgang sowie ein Composite Ausgang auf Kontakt zu anderen Mediengeräten.
Auch das große Monitor-Display, durch das man sowohl eine Kontrollmöglichkeit über den Aufnahmestatus als auch des aufgenommenen Motivs hat, verstärkt die Assoziation, man hätte ein Handy in der Hand. Ob die Tastatur auch für die Nutzung mit Motorradhandschuhen ausreichend dimensioniert sind, werden wir untersuchen.
Mit ebenfalls 5 MP als Auflösung für Foto ausgestattet, zählt die Playsport zu den Schnäppchen, die man mittlerweile für kleines Geld bekommen kann: Manchmal wechselt gerade mal ein 100-€-Schein den Besitzer, um einen neuen Hobby-Kameramann zu gebären.

Der Name Rollei war über viele Jahre mit Fotografie in seiner edelsten und perfektionierten Ausprägung assoziiert. Nach einigen wirtschaftichen Berg- und Talfahrten greift der in Hamburg ansässige Deutschland-Vertrieb der Marke wieder kräftig an. Hier hat man den markt für Action-Cams und deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten erkannt und schickt – zunächst – zwei Teilnehmer in den Test:


Die Rollei Bullet HD Pro erinnert in ihrer Form Männer ein wenig an eine kräftige Zigarre, Frauen dagegen vielleicht eher an einen überdimensionierten Lippenstift? Sie kommt für ihre Wasserdichtigkeit ohne gesondertes Gehäuse aus. Neben einer Full-HD-Auflösung im Videobetrieb ermöglicht sie Fotoaufnahmen sogar mit einer Auflösung von sagenhaften 20 MP.
Die Bedienung erfolgt allein über einen Druckknopf, der gleichzeitig bei Betrieb beleuchtet ist: Mit einem langen Druck (die Kamera vibriert dann kurz) wird die Kamera aus ihrem Tiefschlaf erweckt, der Knopf schimmert blau. Ein weiterer kurzer Druck und die Videoaufnahme beginnt. Dabei blinkt der Knopf abwechselnd rot und blau. Mit dem nächsten kurzen Druck endet die Aufnahme; die Kamera lässt sich mit einem langen Druck wieder ausschalten. Weitere Kontrollmöglichkeiten sind an der Cam nicht vorhanden.
Als Speicherkarte fungiert eine Micro-SD mit maximal 32 GB Kapazität. Warum man sowohl für die Datenübertragung als auch für die Akkuaufladung keinen Mini-USB-Anschluss eingebaut hat, sondern einen noch wesentlich kleineren Kontaktweg gewählt hat, wird wohl das Geheimnis der Herstellers bleiben: Leider ist man so auf den Adapter des Herstellers angewiesen und dürfte ordentlich in Not kommen, wenn dieser mal defekt oder bei einer reise daheimgeblieben ist.
Speicherkarte und USB-Anschluss sind hinter einer Klappe am dem Objektiv gegenüberliegenden Kameraende versteckt. Hier findet man auch dem Umschalter zwischen Video- und Fotobetrieb. Für den Videobetrieb ist sie mit einem digitalen Verwackelungsschutz ausgestattet.




Die Rollei Bullet 4S dagegen erinnert von ihrer Form, den Abmessungen und dem wasserdichten Gehäuse sehr an die GoPro. Ebenfalls würfelförmig ermöglicht sie Videoaufnahmen in Full-HD-Qualität und Fotoaufnahmen mit 8 MP. Ein oben auf dem Gehäuse platziertes Display gibt über den Aufnahmestatus Auskunft; die Kontrolle des Aufnahmemotivs erfolgt über einen Monitor auf der Gehäuserückseite.
Als Speichermedium dient wiederum eine Micro-SD-Karte bis 32 GB. Neben einem USB-Anschluss verfügt die 4S über einen HDMI- sowie einen AV-Ausgang.
Auffällig ist, dass insbesondere der Power-Knopf sehr klein ausfällt und mit Motorrad-Handschuhen kaum zu bedienen sein dürfte. Die ebenfalls an GoPro erinnernden Befestigungmöglichkeiten entsprechen zwar deren Form, haben aber leicht veränderte Abmessungen, so dass eine wechselseitige Verwendung nicht komplett möglich ist.



Mit etwas Verspätung begab sich dann mit der Cam One Infinity 1080p eine weitere Kandidatin in den illustren Kreis der Teilnehmer. Optisch auffallend durch ihre besonders kleine Bauform ist auch sie eine Vertreterin der eher würfelförmigen Bauweise. Eine weitere Auffälligkeit ergibt sich, wenn man die Gehäuselasche öffnet, um eine Speicherkarte einzusetzen: Hier warten sogar zwei MiroSD-Karteneinschübe auf Fütterung und ermöglichen somit einen Speicherumfang von insgesamt maximal 64 GB; das ist in diesem Teilnehmerkreis konkurrenzlos.

Eine Zusammenstellung der Test-Teilnehmer und ihrer technischen Daten findet man hier (bitte Anklicken zum Vergrößern):

Für den Testablauf galt es zunächst, die Kameras mit dem mitgelieferten Zubehör irgendwo so an Mensch und/oder Maschine zu befestigen, dass möglichst optimale Aufnahmeergebnisse erzielt werden können. Hier traten dann auch schon die ersten Unterschiede auf.


Die beiden Midland-Schwestern beispielsweise werden mit verschiedensten Befestigungsmöglichkeiten geliefert. Vor allem ist dabei auf die pfiffige Lösung hinzuweisen, dass beide Kameras alle Befestigungsmöglichkeiten nutzen können, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne wasserdichtem Gehäuse betrieben werden.


Einerseits besteht beispielsweise die Möglichkeit, sie seitlich an der Motorradverkleidung anzubringen. Dazu wird ein Klebepad auf die Seitenverkleidung geklebt, auf dessen anderer Seite sog. Pilzkopf-Klett angebracht ist. Dieser Klettverschluss weist besonders gestaltete Verbindungen auf, die an ihren Enden jeweils Verdickungen aufweisen. Greifen die beiden Klett-Teile dann ineinander, ist eine wesentlich festere Verbindung gewährleistet, die selbst bis Tempo 200 die so seitlich „angeklettete“ Kamera sicher und ohne Verlustgefahr mitreisen lässt. Mit den gleichen Klebe-Klett-Pads lassen sich die Kameras natürlich auch seitlich am Helm befestigen, um Aufnahmen aus der Fahrerperspektive zu ermöglichen.

Bringt man die Kamera auf diese Weise bei entsprechend gutem Wetter ohne ihr wasserdichtes Gehäuse an der Seitenverkleidung des Motorrads an, ergibt sich eine weitere pfiffige Möglichkeit: Ich habe von meiner am Reisedampfer angebrachten Steckdose mittels Adapter ein Mini-USB-Kabel angebracht, über das ich dann die Midland-Schwestern sogar während der Fahrt und laufender Aufnahme dauerhaft mit Strom versorgen kann: Akku-Laufzeiten interessieren dann plötzlich nicht mehr. Das soll keineswegs zu stundenlangen Videolangweilern mit sturem Geradeauslauf oder leichtem Kurvengeplänkel animieren. Aber wer schon einmal mehrere hundert Kilometer lange Tagesetappen zurückgelegt hat, weiß, dass insbesondere das häufige An- und Ausschalten der Kameras zum Anfertigen kurzer Sequenzen den Akku besonders belasten kann.


Aber die Midland-Sisters können noch mehr: Jeweils unten am Kameragehäuse und auch am wasserdichten Gehäuse sind sie mit einem Standard-Stativgewinde ausgestattet. Damit eignen sie sich auch, um auf einem solchen Stativ am Straßenrand besonders eindrucksvoller Landschaften aufgestellt Vorbeifahrten zu ermöglichen. Außerdem werden mit einem Ratschenverschluss versehene Befestigungsgurte zum Beispiel für die Lenkerenden mitgeliefert, auf denen die Kameras ebenfalls über diese Stativgewinde befestigt werden.


Die Hero2 von GoPro kann dagegen nur in ihrem Gehäuse befestigt werden. Damit scheidet eine Stromversorgung bei laufendem Betrieb aus. Ein Stativgewinde gibt es nur als aufpreispflichtiges Extra im Zubehör. Dafür wird ein großer Saugnapf mitgeliefert, um eine Anbringung an großen, flachen Flächen zu ermöglichen. Das könnte ebenfalls an der Seitenverkleidung des Motorrads gut funktionieren, aber mir fehlte aus Sorge vor Verlust der Mut dazu: Zusammen mit einem relativ langen Befestigungselement verursacht die relativ schwere Kamera einen ordentlichen Hebel, der dann neben den Vibrationen während der Fahrt auf den Saugnapf wirkt. Kurz hatte ich überlegt, so die Kamera für einige spektakuläre Aufnahmen in Bodennähe zu nutzen. Aber die durch die ausladende Anbringung verursachte Einschränkung der Schräglagenfreiheit hat mich ebenfalls mit Verlustängsten davon Abstand nehmen lassen.


Bei der ADIXXION von JVC findet man von den schon lobend erwähnten Stativgewinden nicht nur ein sondern sogar zwei Exemplare an der Kamera. Da diese Kamera selbst wasserdicht ausgestalten sein soll (leider spielte das Wetter in der gesamten Testphase nicht mit, so dass echte Regentests nicht möglich waren), hat man auch keine Besonderheiten mit externen Gehäusen zu beachten. Dementsprechend erfreut es den Hobby-Kameramann, an der ADIXXION neben dem am Boden angebrachten Stativgewinde auch ein zweites seitlich angebracht vorzufinden. Damit sind senkrechte und waagerechte Befestigungsmöglichkeiten gegeben.


Leider wirkt das dazu mitgelieferte Befestigungspad nicht wirklich vertrauenerweckend: Das Klebepad mit Stativgewinde weist eine nur wenige cm² große Klebefläche auf. Diese mag geeignet sein, für Fahrradfahrer oder Snowboarder als Haltemöglichkeit für die Action-Cam zu dienen. Bei den deutlich höheren Geschwindigkeiten, die sich aber bei Anbringung am Motorrad oder am Motorradhelm mit den im Vergleich zu Midland nicht einmal halb so großen Pads ergeben, droht ein Verlust der Kamera. Ich habe die ADIXXION damit überwiegend an dem Midland-Befestigungsgurt am Lenkerende betrieben, da dieser für eine spektakuläre Position an der Gabel leider nicht den erforderlichen Umfang abdeckte. Aber somit ist auch schon klar, dass die JVC allein schon aufgrund der nicht wirklich motorradtauglichen Befestigungsmöglichkeiten in diesem Test einen schweren Stand haben würde.

Mein in die Jahre gekommener Wegbegleiter Kodak Playsport verfügt ebenfalls über ein Stativgewinde am Boden. Damit ist dann allerdings auch schon das Spektrum der Befestigungsmöglichkeiten ausgeschöpft, will man nicht irgendwelche hemdsärmeligen Techniken mit Klebeband oder dgl. anwenden.


Die Bullet HD Pro wird zur Befestigung mit einem Ring versehen, an dem ein Schnapp-Verschluss ählich den Befestigungs-Clips der GoPro angebracht ist. Leider ist dieser Verschluss aber auch nur ähnlich, denn die Hersteller haben sich insoweit noch nicht auf einheitliche Standardmaße geeinigt. Damit passen die Verbindungen der Rollei-Kameras nicht in die aufgeklebten Haltepads der GoPro und umgekehrt. Aber die an den Gehäusen zu befestigenden Halterungen und deren Schraubverbindungen sind miteinander kompatibel.

Mit diesen Befestigungen lässt sich die Bullet HD pro an der Seitenverkleidung, aber auch seitlich am Helm anbringen. Überhaupt ist das der große Vorteil der HD pro: Durch die stufenlose Verstellmöglichkeit des Befestigungsrings an der Kamera kann diese an jeder Fläche so ausgerichtet werden, dass die Aufnahmen auch unabhängig von der Schräge oder Wölbung der Befestigungsfläche immer senkrecht und gerade ausgerichtet werden können.


Mit den gleichen Schnappverschlüssen arbeitet auch die Bullet 4S von Rollei. Zusätzlich weist sie sowohl an der Kamera selbst als auch am wasserdichten Gehäuse ein Stativgewinde auf und ermöglicht so verschiedene Befestigungsvarianten. Ebenso wie die GoPro habe ich sie vor allem vorn auf der Verkleidung des Reisedampfers oder auf dem Helm positioniert.


Das gleiche gilt auch für die Cam One Infinity 1080p, die allerdings über kein Stativgewinde verfügt. Auch hier passen die Schnappverschlüsse selbst zu keinem der Mitbewerber, aber ein Austausch der Halteverbindungen ersparte mir ein Zukleben von Helm und Motorrad mit einer Vielzahl von Haltepads.

Die Testaufnahmen erfolgten über einen Zeitraum von etwa 4 Wochen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Tageszeiten und Witterungs- sowie Lichtverhältnissen. Dabei wurde versucht, jeweils möglichst identische Aufnahmevoraussetzungen zu gewährleisten: Zum einen wurden die Aufnahmen parallel mit mehreren Kameras während einer Fahrstrecke aufgezeichnet. Da dies aber mit 8 Testexemplaren kaum zu handhaben ist, wurden die Strecken mit den unterschiedlichen Kameras im Einsatz jeweils mehrfach unmittelbar nacheinander abgefahren. In den Fällen, in denen gleichzeitige Aufnahmen nicht möglich waren, weil die Testexemplare erst später eingetroffen sind, wurde versucht, die Testaufnahmen unter möglichst ähnlichen Licht- und Wettervoraussetzungen nachzuholen.

In diesem Zusammenhang sind im Rahmen dieses Vergleichstest etwa 150 Videos entstanden, die alle auf Youtube (http://www.youtube.com/user/MotorradTourer/videos?view=0) bzw. flickr (http://www.flickr.com/photos/motorrad-presse/collections/72157631583038199/) öffentlich abgespeichert sind. Damit kann sich jeder Interessent selbst ein Urteil bilden und die ihn interessierenden Kameras im direkten Vergleich zueinander anhand der hinterlegten Aufnahmen vergleichen. Die Videos sind alle absolut unbearbeitet und wurden ohne Veränderung so abgespeichert, wie sie von den Cams auf die Speicherkarten gebrannt wurden.

Was den Sound angeht, sind mit Ausnahme der GoPro Hero2 alle Testteilnehmer auf dem Motorrad ungeeignet. Die Windgeräusche, die über die internen Mikrofone aufgenommen wurden, überlagern alles andere und sind derart störend, dass sie nur durch entsprechende Nachbearbeitung eliminiert und durch nachträgliche Vertonung ersetzt werden können. Die Hero2 stellt hier eine rühmliche Aufnahme dar, weil sie über einen Anschluss für ein externes Mikrofon verfügt. Legt man sich ein solchen zu, kann man dieses externe Mikrofon während der Aufnahme sehr gut in der Nähe des Motors und windgeschützt platzieren. Damit lassen sich eindrucksvolle optische Eindrücke mit dem kernigen Sound des arbeitenden Motors untermalen. Ein solches Feature bieten die anderen Testteilnehmer nicht und fallen damit zurück.

Auch bei der optischen Qualität der Videoaufnahmen liegt die GoPro Hero2 klar vorn: Kein anderer Testteilnehmer arbeitet auch bei höheren Geschwindigkeiten so präzise und verzerrungsarm. Bäume, an denen man vorbeifährt, mutieren nicht plötzlich zu grünen, gelben oder roten Nebelschwaden im Herbst, sondern haben auch dann noch erkennbar einzelne Blätter. Auch was die Farbechtheit angeht, konnten mich die Aufnahmen überzeugen.

Den Gegenpunkt dazu markiert aus meiner Sicht die JVC ADIXXION: Vielleicht ist es ihr weniger gut bekommen, dass ich sie aufgrund der Befestigungsschwierigkeiten ausschließlich am Lenkerende mit Befestigungsgurt betreiben konnte und dort die Vibrationen meines Boxer-Motors nicht zu verheimlichen sind. Aber auch dann fällt sie im direkten Vergleich mit den ebenfalls (auch) am Lenkerende betriebenen Midland-Sisters und der Playsport von Kodak bei der Präzision und Schärfe der Aufnahmen deutlich ab. Irgendwie wirkt sie auch hier, als wäre ihr Einsatzgebiert weniger das Motorrad mit seinen geschwindigkeits- und motorentypischen Störeinflüssen. Vielleicht kann sie bei anderen Outdoor- und Actionsport-Aktivitäten ihr Potenzial besser entfalten. Aber für den Einsatz am Motorrad ist sie nach meiner Einschätzung tatsächlich am wenigsten überzeugend.

Negativ fiel mir auch die Alan Midland XTC-200 bei den Nachtaufnahmen auf. Natürlich ist dies kein vorrangiger Einsatz am Motorrad, kann aber wiederum zeigen, in welcher Bandbreite die Cams einsetzbar sind.


Für die Nachtaufnahmen bot sich das Spektakel des alljährlichen Festival of Lights in Berlin an. Hier werden zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Gebäude mit strahlend-bunten Lichteffekten illuminiert und in Szene gesetzt. Bei diesen Aufnahmen im Oktober 2012 vor allem am Potsdamer Platz, teilweise auch rund um die „Goldelse“ genannte Siegessäule zeigte die XTC-200 erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit den eingeschränkten Lichtverhältnissen: Erhebliche Störzeichen trüben den optischen Eindruck und zeigen, dass diese Kamera hier anders als ihre Konkurrentinnen klar unterlegen ist.

Ansonsten liegen die Teilnehmer nach meiner Einschätzung hinsichtlich der Aufnahmequalität dicht beieinander. Ob die Aufnahme durch eine größere Weitwinkeleinstellung etwas breiter, dafür aber auch in den Linien etwas verzerrte als angenehmer oder weniger angenehm wahrgenommen wird, hängt nach meiner Einschätzung sehr von den persönlichen Empfindungen des Einzelnen ab. Eben hier liegt der Vorteil dieses Tests in der Veröffentlichung aller unbearbeiteter Testaufnahmen in Online-Portalen, die auch zu den Marktführern zählen und somit als Speicher- und/oder Veröffentlichungsort für viele Hobby-Kameraleute und -Regisseure in Betracht kommen. So hat jeder die Möglichkeit, sich seinen Favoriten nach eigenen Maßstäben herauszusuchen, ohne sich von Testaussagen beeinflussen zu lassen.

Tatsächliche und objektive Unterschiede gibt es aber vor allem in der Bedienbarkeit der Testteilnehmer. Was bringt dieser Vergleichtest zum Vorschein?

Zunächst und als Wichtigstes vorangestellt: Kontrollmöglichkeiten sind ein unschätzbarer Vorteil. Diese Aussage bezieht sich zum einen auf eine Kontrollmöglichkeit, ob überhaupt etwas aufgenommen wird, zum anderen darauf, was konkret aufgenommen wird.

Nutzt man die Cams am Helm, ist unabhängig vom Modell die Kontrolle, ob eine Aufnahme überhaupt gestartet wurde in aller Regel aufwändig. Mit Ausnahme der GoPro Hero2, die ein entsprechendes Feedback im Display ihrer (optionalen) Fernbedienung gibt, gelingt bei den anderen Modellen eine Kontrolle nur mit Absetzen des Helms. Dann erst sieht man, ob die jeweiligen Kontrollleuchten eine laufende Aufnahme bestätigen. Damit sind Aufnahmen plötzlich sich während der Fahrt ergebender Situationen und Eindrücke eigentlich nicht möglich, ohne anzuhalten. Vielleicht stellen da die Alan Midland XTC-200 und XTC-300 eine Ausnahme dar: Sie werden mit einem großen, auch mit Handschuhen perfekt zu bedienenden, Schieberegler „idiotensicher“ bei gleichzeitiger Aktivierung oder Deaktivierung der Aufnahme ein- und ausgeschaltet. Mit ein wenig Erfahrung und gutem Tastsinn dürfte sich bei diesen Modellen auch dann, wenn sie am Helm getragen werden, schnell feststellen, ob die Aufnahme läuft.

Werden die Cams am Motorrad befestigt, bieten auch andere Modelle entsprechende Kontrollmöglichkeiten:

Bei den beiden Alan Midlands reicht ein Blick auf die seitlich vor mir an der Seitenverkleidung angebrachten Kameras, um zu sehen, in welcher Stellung der große Schieberegler steht und ob die zusätzlichen LED oben auf den Cams mir eine laufende Aufnahme anzeigen.


Die GoPro Hero2 meldet eine laufende Aufnahme mit einer roten LED im Frontmonitor. Je nachdem, wo die Kamera angebracht ist, nützt das aber auch nur begrenzt: Bei einer Positionierung unterhalb der Frontscheibe meines Reisedampfers kann ich diese Kontrollleuchte nur sehen, wenn ich absteige und mich vor das Motorrad stelle.


Die JVC zeigt oben, weit vorn positioniert, eine kleine grüne LED bei laufender Aufnahme. Auch diese Anordnung ist je nach Sitzposition nicht immer ohne weiteres einzusehen.


Im großen Monitor der Kodak-Playsport taucht ein deutlich sichtbarer roter Punkt auf, der eine laufende Aufnahme signalisiert. Wegen der eingeschränkten Einsetzbarkeit der recht groß geratenen Kamera am Lenkerende, ist diese Rückmeldung zum Aufnahmestatus wiederum immer gut zu erkennen.


Die Bullet HD Pro verfügt über einen beleuchteten Schalter für mehrere Funktionen. Von oben gut sichtbar angebracht wird dieser Knopf etwa drei Sekunden gehalten, damit die Kamera mit blauem Erleuchten des Knopfes und (mit Handschuhen kaum wahrnehmbarem) Vibrieren eingeschaltet wird. Ein weiterer kurzer Druck auf den gleichen Knopf lässt die Aufnahme starten und den Knopf abwechselnd rot und blau blinken. Ein weiterer kurzer Druck wird mit einem einmaligen roten Aufleuchten quittiert und beendet die Aufnahme bei dauerhaft blauer Beleuchtung. Nach einem etwa drei Sekunden andauernden Druck wird die Kamera ausgeschaltet, die Beleuchtung erlischt.

Bei der Bullet 4S leuchtet im oben auf der Kamera angebrachten Display eine rote LED, wenn die Aufnahme gestartet wird. Allerdings ist dieses Display recht klein und auch nicht in jeder Position gut einzusehen.

Bei der CamOne leuchtet die Kontroll-LED bei laufender Aufnahme im rückwärtig angebrachten Monitor und lässt sich so bestens nutzen.

Die Kontrolle, was tatsächlich aufgenommen wird, lässt sich sinnvoll nur mit einem entsprechenden Monitor sicherstellen, allerdings auch nur, wenn die Kamera dabei nicht am Helm angebracht wird. Hier sehen wir bei einigen Aufnahmen der GoPro und auch der Bullet 4S, wie schnell man doch dazu kommen kann, nahezu ausschließlich den Himmel oder nur die Instrumente zu filmen, ohne wirklich etwas von der Strecke oder der Umgebung einzufangen.


Das Feature eines Kontroll-Monitors bieten nur die JVC ADIXXION, die Playsport von Kodak, die Rollei Bullet 4S sowie die CamOne Infinity, jeweils in unterschiedlicher Größe. Für die GoPro Hero2 gibt es einen nachrüstbaren LCD-Monitor, der hinten an das Kameragehäuse wie ein Rucksack angehängt wird. Leider muss man sich dann entscheiden, ob man die Kontrollmöglichkeit via Monitor bevorzugt oder die Wifi-Fernbedienungseinheit nutzen möchte. Beides zusammen geht nicht, weil diese beiden Zusatz-Module den gleichen Steckplatz am Rücken der Hero2 beanspruchen.


Bei der JVC ist dieser Monitor an der Seitenwand platziert und ermöglicht so bei einer Positionierung der Kamera am linken Lenkerende eine recht gute Rückmeldung zu dem, was gerade aufgezeichnet wird. Ideal mit einem wirklich großen Monitor, der sich auch bei Sonneneinstrahlung recht gut erkennen lässt, hat es Kodak Dank der recht großen Abmessungen der Playsport lösen können. Die Monitore der Bullet 4S und der Infinity con CamOne sind zwar relativ klein, aber durchaus kontrastreich und scharf, so dass man selbst während der Fahrt zumindest ein Gefühl dafür bekommt, ob die Ausrichtung der Kamera stimmt.

Und eben das ist ja die eigentlich entscheidende Information in dieser Situation: Was nützt es mir zu wissen, dass ich mit der richtigen Kamera qualitativ hochwertige Aufnahmen hätte machen können, wenn dann in der konkreten Situation die Ausrichtung der Kamera nicht stimmte oder gar die Aufnahmefunktion warum auch immer nicht startete und mir so die Aufnahmen vollständig fehlen? In wiederholbaren Situationen lässt sich ein solches Problem ggf. vor Ort noch schnell korrigieren, wenn man es gleich merkt. Aber der nur kurzzeitig auftauchende Regenbogen am Ende einer von dichten Bäumen gesäumten Straßenkurve ist möglicherweise zwei Minuten später schon nicht mehr zu sehen...

Bleibt noch die Frage der Bedienbarkeit offen. Wie schon mehrfach angesprochen, werden die Action-Cams nicht ausschließlich zum Einsatz auf dem Motorrad konzipiert. Diverse andere Outdoor-Aktivitäten und Action-Sportarten sind für den Einsatz dieser Technik-Winzlinge ebenfalls interessant. Deswegen ist ein Blick auf die Frage, wie sich die Testteilnehmer unter Motorradbedingungen bedienen lassen, wichtig. Hier spielt neben der Möglichkeit einer geeigneten Positionierung der Kamera auch und vor allem die Bedienbarkeit mit Handschuhen eine große Rolle. Sowohl die Größe der entscheidenden Bedienknöpfe als auch deren Erreichbarkeit sind hier zu beachten, ggf. auch die Frage, ob und wie gut sonstige wichtige Signale (zum Beispiel die Befehlsbestätigungen per Vibration an der Rollei HD pro) auch übertragen werden und eindeutig wahrnehmbar sind.


Hier sind die XTC-200 und die XTC-300 von Alan Midland wahre Musterknaben. Wie schon beschrieben, erfolgt das Ein- und Ausschalten der Kamera zusammen mit einem Start oder Stopp der Aufnahme über einen auf der Oberseite der Kamera angebrachten Schiebeschalter. Dieser ist so ausreichend dimensioniert, dass er auch mit dicken Winterhandschuhen problemlos bedient werden kann. Auch das leichte Einrasten des Schalters an beiden Endpunkten gibt ein gutes Feedback zum Auslösen der jeweiligen Funktion. Die zusätzlich an der Oberseite der Kamera angebrachten LEDs, die Rückmeldungen über den Akku- und Aufnahmestatus geben, runden die perfekte Bedienbarkeit am Motorrad ab. Beide Kameras legen hier die Messlatte sehr hoch und stellen den Maßstab in dieser Disziplin dar.


Der Power-Knopf der JVC ADIXXION ist dagegen schon etwas kleiner ausgefallen; ihn bedient man am besten vorab ohne Handschuhe. Zum Aufnahmestart und -stopp steht dann ein ordentlich dimensionierter Druckknopf oben auf der Cam zur Verfügung. Dieser lässt sich auch mit Motorradhandschuhen gut bedienen, gibt aber keine so eindeutige Rückmeldung, ob der gewünschte Befehl auch angenommen wurde. Dazu bedarf es dann eines zusätzlichen Blickes auf die schon angesprochene LED am oberen-vorderen Ende der Kamera, die erst mit ein wenig Verzögerung Vollzug meldet.


Bei der Hero2 von Gopro gibt es zwei kräftige Druckknöpfe am wasserdichten Gehäuse, von denen der an der Front angebrachte sowohl Power-Schalter als auch Menu- und Funktionswahlschaler ist. Der oben auf dem Gehäuse angebrachte Knopf startet und stoppt dann die Aufnahmen. Beide Knöpfe lassen sich auch mit Handschuhen ausreichend kräftig betätigen. Nach wenigen Versuchen weiß man dann auch, dass sie ihren Job verlässlich tun, auch wenn man keinerlei Feedback bekommt, ob sie den Befehl auch verstanden haben.


Der Kodak Playsport wird mit einem winzig kleinen Knöpfchen rechts oben an der schmalen Seite Leben eingehaucht. Auch wenn man es kaum glauben will: Selbst mit Motorradhandschuhen kann man diesen Winzling gut bedienen. Im Gegensatz dazu wirkt der Start- und Stopp-Knopf für die Aufnahmen ausreichen groß dimensioniert und gut sicht- und erreichbar in der Mitte des Geräts platziert. Erstaunlicherweise klappt aber die Bedienung mit Handschuhen weit weniger gut, als man erwarten würde. Hier ist ein wenig Übung und Geschick erforderlich, so dass ich oftmals zum Beenden einer Aufnahme einfach die Kamera mit dem kleinen aber gut bedienbaren Power-Schalter komplett abgeschaltet habe.


Der Power-Knopf an der Rollei Bullet 4S ist irgendwo zwischen Ulk und Frechheit anzusiedeln. Zum einen lässt sich diese Funktion nur an der Kamera selbst, aber nicht am wasserdichten Gehäuse bedienen. Zum anderen ist der Schiebeschalter derart mikrobisch klein ausgefallen, dass er Erinnerungen an die „Mäusezähnchen“ bei fernbedienbaren Steckdosen im Haushalt weckt. Hier geht definitiv mit Handschuhen gar nichts. Man spürt den Schalter nicht einmal, wenn man mit Handschuhen über die Gehäuseoberseite der Kamera streicht, geschweige denn, dass er sich bedienen lassen würde. Insofern ist das Anschalten der Kamera on tour immer ein Drama: Anhalten, Handschuhe ausziehen, Kamera aus dem wasserdichten Gehäuse nehmen, Power-Knöpfilein mit Fingernagel um zwei Millimeter verschieben, Kamera in das Gehäuse stecken und ausrichten, Handschuhe anziehen, Aufnahme starten und wieder losfahren. Für spontane „Schnellschüsse“ ist diese Kamera insofern völlig ungeeignet. Zum Glück schaltet die Kamera selbständig nach einigen Minuten ohne laufende Aufnahme die Stromzufuhr wieder ab. So spart man sich das gleiche lästige Procedere zum Ausschalten, ohne dass der Akku sinnlos verbraucht wird. Der Aufnahmeknopf wiederum ist gut oben auf dem wasserdichten Gehäuse der 4S platziert und auch mit Handschuhen gut bedienbar.

Die Funktionalität bei der Rollei HD Pro wurde bereits oben bei den Kontrollleuchten während der laufenden Aufnahmen beschrieben. Der Mehr-Funktionen-Knopf oben auf der Kamera ist ausreichend groß dimensioniert, um ihn auch mit Handschuhen betätigen zu können. Allein das feedback per Vibration erfordert sensibles Fingerspitzengefühl: Zumindest an meinem Reisedampfer vibriert der Boxermotor so kräftig, dass das Surren der HD Pro kaum auffällt. Zum Glück gibt es aber über die Beleuchtung dieses Knopfes ein optisches Feedback, so dass die Bedienbarkeit grundsätzlich als recht gut zu bezeichnen ist.


Wer die CamOne Infinity aus der Verpackung schält, wird sofort die Stirn runzeln: Auch an dieser Kamera wirken die Bedienknöpfe viel zu klein, um sich mit Handschuhen bedienen zu lassen. Das trifft dann in der Praxis auch tatsächlich zu, wenn man die Kamera ohne Schutzgehäuse nutzen möchte. Hier ist die Befehlsweitergabe ein ziemliches Lotteriespiel, bei dem man mal Glück hat, oftmals aber nicht. Als Lösung bietet sich hier die konsequente Nutzung des wasserdichten Gehäuses an. Auch wenn die dortigen Bedienknöpfe kaum größer erscheinen, sind sie ausreichend deutlich über das Gehäuse erhaben, um sie auch mit Handschuhen exakt zu finden und bedienen zu können. Plötzlich wird die Bedienung der CamOne zu einem Kinderspiel mit nahezu 100 %iger Befehlsübermittlung. Selbst auf dem Helm platziert kann man diese Knöpfe sehr gut und auch ohne hinzusehen finden und bedienen: Das war dann doch eine deutliche Überraschung.

Was gibt es ansonsten noch zu sagen: Ach ja, die GoPro Hero 2 hat eine ganze Zeit lang gedroht, mich in den Wahnsinn zu treiben. Dass von ihr deutlich weniger Aufnahmen existieren als von den anderen Kameras, hängt damit zusammen, dass der Akku ständig leer war. Selbst manchmal nach fast 24 Stunden am Ladegerät war dann wenige Tage später dem Akku kein Saft zu entlocken. Woran lag das?


Nun, der von mir genutzte zusätzliche WiFi-Backpack ist mit einem eigenen Akku versehen, der – wie ich bei der ersten Aufnahme-Session schmerzlich erkennen musste – auch gesondert aufzuladen ist. Hier war ich von der Rollei Bullet 4S anderes gewöhnt, da dort die Fernbedienbarkeit in die Kamera implementiert ist und keinen zusätzlichen Akku benötigt. Nachdem ich nun Hero2 und Wifi-Backpack aufgeladen hatte, lag die Kamera wenige Tage bis zum nächsten Einsatz herum. Und da ich nicht gleich bemerkte, dass der Wifi-Backpack einen gesonderten, seitlich angebrachten Powerschalter hatte, verbrauchte dieser Packpack zunächst den Strom aus dem eigenen Akku, bevor er dann auch noch den Akku der Kamera leer saugte.

Auch nachdem ich diese Klippe entdeckt und umschifft hatte, war das Problem noch nicht gelöst: Beim Transport in einer Tasche zusammen mit anderen Kameras und sonstigen Test-Gerätschaften wurde dieser Powerknopf offensichtlich auch schon mal zufällig ausgelöst und das eben beschriebene Procedere begann erneut.

In dieser Hinsicht bekommt die Hero2 daher von mir ein dickes Minus: Im direkten Vergleich mit der Rollei Bullet 4S patzt die GoPro gleich an mehreren Stellen: Während man bei der GoPro Monitor und WiFi-Fernbedienung nur gegen happigen Aufpreis zur eh schon teuren Kamera erhält und dabei auch kein gleichzeitiger Einsatz dieser beiden Features möglich ist, bekommt man bei der Bullet 4S gleich beide wichtigen Funktionalitäten ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand beim Kauf der Kamera dazu. Und da zumindest das WiFi-Backpack der GoPro einen zusätzlichen Akku verwendet, bedarf es weiteren Aufwands und auf Reisen einer weiteren, der in vielen Unterkünften so raren Steckdose, um die Cam am Folgetag wieder einsatzbereit zu haben. Dieser zusätzliche Aufwand ist bei der Rollei Bullet 4S nicht notwendig, bei der die volle Funktionalität mit nur einem Akku ermöglicht wird.

Bleibt zum Abschluss die Bewertung, die ich nicht in Form eines Rankings oder vergebener Punkte vornehmen möchte, weil mir dies in einigen Punkten zu subjektiv erscheint. Die angefertigten Testaufnahmen sind unter Youtube (http://www.youtube.com/user/MotorradTourer/videos?view=0) und flickr (http://www.flickr.com/photos/motorrad-presse/collections/72157631583038199/) jederzeit abruf- und vergleichbar abgespeichert. Außerdem, und das geben die bisherigen Ausführungen schon her: eine eierlegende Wollmilchsau für alle Ansprüche ist eh nicht dabei. Also hier eine Zusammenstellung der Pro- und Contra-Argumente der einzelnen Cams:


Alan Midland XTC-200

Pro:
günstigster Testteilnehmer
beste Bedienbarkeit mit Handschuhen
vielfältige Befestigungsmöglichkeiten mit standardmäßig mitgeliefertem Material
mittelmäßige Videoqualität bei Tagaufnahmen
flexibler Einsatz mit und ohne Schutzgehäuse
ermöglicht dauerhafte Stromversorgung auch während der Aufnahme


Contra:
fehlender Kontroll-Monitor
untauglich für Nachtaufnahmen
fehlender Anschluss für externes Mikrofon
Befestigungsmaterial nicht kompatibel zuanderen Herstellern
kein Full-HD (1280×720)


Alan Midland XTC-300

Pro:
beste Bedienbarkeit mit Handschuhen
vielfältige Befestigungsmöglichkeiten mit
standardmäßig vorhandenem Material
ordentliche Videoqualität bei Tag- und Nachtaufnahmen
flexibler Einsatz mit und ohne Schutzgehäuse
ermöglicht dauerhafte Stromversorgung auch während der Aufnahme


Contra:

hoher Preis: (zweitteuerster Testteilnehmer)
fehlender Kontroll-Monitor
fehlender Anschluss für externes Mikrofon
Befestigungsmaterial nicht kompatibel zu anderen Herstellern


GoPro Hero2

Pro:
mit deutlichem Abstand die qualitativ besten Videoaufnahmen bei Tag und Nacht
vielfältige Befestigungsmöglichkeiten mit standardmäßig mitgeliefertem Material
externer Mikrofonanschluss für optimale Tonqualität
mit Handschuhen gut bedienbar zusätzliche

Contra:
hoher Preis (teuerster Testteilnehmer)
Fernbedienung und Kontrollmonitor nur als aufpreispflichtiges Zubehör erhältlich
Fernbedienung und Monitor nur alternativ zu nutzen, nicht gemeinsam
Stromversorgung über eigenen Akku stellt zusätzliche Fehlerquelle dar
von außen zugänglicher Power-Knopf des WiFi-Backpack lässt Zweifel an Wasserdichtigkeit zu


JVC ADIXXION GC-XA1
Pro:
kompakte Bauweise
nutzbar sogar bei Minustemperaturen
Kontrollmonitor vorhanden
doppeltes Stativgewinde für senk- und waagerechten Einsatz
Gehäuse auch ohne Zubehör wasserdicht
mit Handschuhen teilweise bedienbar

Contra:
Videoqualität überzeugt mich bei höheren Geschwindigkeiten nicht
mitgeliefertes Befestigungsmaterial überzeugt mich im Motorradeinsatz nicht
kein Anschluss für externes Mikrofon

Kodak Playsport
Pro:
größter Monitor im Testfeld
Wasserdichtigkeit und Stoßfestigkeit auch ohne Zubehör
ordentliche Videoqualität
mit Handschuhen teilweise bedienbar

Contra:
begrenzte Befestigungsmöglichkeiten
größte Abmessungen im Testfeld
kein Anschluss für externes Mikrofon
ohne mitgeliefertes Befestigungsmaterial


Rollei Bullet HD Pro
Pro:
ohne Schutzgehäuse wasserdicht
auf „Schnappverschlüsse“ anpassbare Befestigung auch an schrägen oder gewölbten Flächen
ordentliche Videoqualität
mit Handschuhen bedienbar
kompakte Bauweise
zweitgünstigste Kamera im Test

Contra:
Einschränkung der Befestigungsmöglichkeiten
kein Standard-USB-Kabel oder Mini-USB zum Aufladen des Akkus
kein Anschluss für externes Mikrofon
kein Kontroll-Monitor
Bestätigungs-Vibration mit Handschuhen nicht zu bemerken

Rollei Bullet 4S
Pro:
Einsatz mit und ohne Schutzgehäuse möglich, damit auch dauerhafte Stromversorgung während der Aufnahme möglich
teilweise mit Handschuhen bedienbar
beste Standard-Ausstattung im Testfeld mit Kontrollmonitor und eingebauter Fernbedienung ohne gesonderte Stromversorgung
ordentliche Bildqualität der Videos
vielseitige Befestigungsmöglichkeiten mit Standardausstattung

Contra:
Power-Schalter nicht mit Handschuhen bedienbar
kein Anschluss für externes Mikrofon
relativ hoher Preis

CamOne Infinity 1080p
Pro:
kompakte Abmessungen
bei Nutzung des Schutzgehäuses gute Bedienbarkeit mit Handschuhen
ordentliche Bildqualität der Videos
zwei Micro-SD-Karteneinschübe ermöglichen große Speicherkapazität
Kontrollmonitor vorhanden
Zusatz-Objektiv (im Testbetrieb aus Gründen der Vergleichbarkeit nicht eingesetzt)
vielseitige Befestigungsmöglichkeiten z. B. durch Stativgewinde

Contra:
kein Anschluss für externes Mikrofon

Als Fazit kann man vielleicht Folgendes festhalten: Wer auf besonders hohe Bild- und vor allem in Verbindung mit einem externen Mikrofon auch hohe Tonqualität der Aufnahmen Wert legt, kommt in diesem Testfeld an der GoPro Hero2 trotz hohem Anschaffungs- und ggf. Zubehörpreis nicht vorbei. Derjenige, der neben dem Motorrad kein weiteres Einsatzgebiet für Action-Cams hat, ist mit der JVC eher nicht so gut beraten. Dazwischen werden oftmals persönliche Vorlieben zwischen den Testteilnehmern entscheiden. Vielleicht wird die CamPro aufgrund ihrer sehr geringen Bauweise und ihres unkomplizierten und zuverlässigen Einsatzes für Vielreisende mit wenig Stauraum interessant. Dagegen kann die Rollei Bullet 4S – wenn man mal den ärgerlichen Powerschalter unberücksichtigt lässt – mit großer serienmäßiger Ausstattung incl. Fernbedienung überzeugen.

Spannend ist dabei natürlich auch, was die zwischenzeitlich auf dem Markt befindlichen Nachfolger so auf dem Kasten haben. Wenn beispielsweise die Rollei Bullet 5S hinsichtlich der Bildqualität zur Hero2 aufgeschlossen haben sollte, ist sie im Hinblick auf die mitgelieferten Features ein echter Geheimtipp – jedenfalls dann, wenn GoPro mit der Hero3 nicht noch einen weiteren Qualitätssprung gemacht hat. Auch die neue Sony HDR-AS15 könnte sich eventuell zu Wort melden. Einige dieser Boliden sind mir schon zu Testzwecken versprochen, waren bislang nur noch nicht verfügbar. Selbstverständlich werde ich dann die Erfahrungen gerne nachreichen. Das gilt ebenso für die HD Pro 170 und die actionpro SD 21, die eigentlich bereits schon jetzt dabei gewesen sein sollten, aber dann leider doch nicht geliefert wurden.








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