Montag, 5. September 2016

Produktempfehlung Funkgeräte: Albrecht-Midland / Alan-Electronics G9

Frühjahr 2011:


In der vergangenen Saison bin ich einige gemeinsame Touren mit 10 und mehr Motorrädern gefahren. Das ein oder andere mal wünschte ich mir dabei, mich mit den Mitfahrern, die sich weiter hinten in der Gruppe befanden, auch während der Fahrt abstimmen zu können: Je größer die Gruppe, desto eher kommt man in Situationen, in denen man nicht mehr die gesamte Gruppe überblickt.

Ab dieser Saison wird dies anders, denn künftig werden mich Funkgeräte nebst Headsets aus dem Hause Alan-Electronics begleiten: Drei G9-Funkgeräte als moderne Kommunikationsmittel werden künftig dafür sorgen, dass auch in größeren Gruppen die Verständigung möglich bleibt.


Natürlich testet man dies zunächst im kleinen Kreis. Den Anfang haben dabei zwei Freunde von mir getan, bevor ich sowohl auf dem „Long Way To Croatia“ zu Ostern wie auch bei meinem „Urlaub mitten in Deutschland“ weitere Erfahrungen sammeln konnte.

Aber vor dem Funktionstest standen die Einbauarbeiten an. Zunächst habe ich mir meinen Helm Schuberth C3 vorgenommen, der wegen seiner bekannt guten Schallisolierung per se beste Voraussetzungen für eine funktionierende Kommunikation unterwegs mitbringt. Manch einer mag sich fragen, warum ich den herstellereigenen Austauschkragen mit Bluetooth-Einrichtung nicht gewählt habe.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen eignet sich die aktuelle Bluetooth-Technik nicht für Gespräche über größere Entfernungen. Allein schon bei in Gruppen sinnvoller versetzter Fahrweise mit einem Abstand von etwa 30 Metern bei Landstraßentempo kommt man bei mit zehn Motorrädern auf eine zu überwindende Entfernung von etwa 300 - 350 Metern vom Guide bis zum Schlussfahrer. Das ist mittels Bluetooht-Technik nicht leistbar. Aber auch der vom Helmhersteller für den Akkustik-Kragen aufgerufene Kaufpreis war ein echtes Hindernis, an dieser Stelle weiter nachzudenken: Für den Preis dieses Kragens konnte ich nicht nur mich technisch ausstatten, sondern auch bei insgesamt zwei Mitfahrern die technischen Voraussetzungen schaffen...


Das Headset aus dem Hause Alan-Electronics ist mit einem mehrpoligen Stecker ausgestattet, der an seiner Ummantelung eine eindeutige Kennzeichnung besitzt, an der man sich beim Anschluss an das zum Funkgerät führende Kabel orientieren kann.

Praxistipp: Bitte unbedingt darauf achten, dass dieser Stecker seitlich nach vorn aus dem Helm herausgeführt wird: Führt man diesen Stecker beispeilsweise in den Glauben, dort würde er besser aufgehoben sein, hinten aus dem Helm heraus, hat man keine reelle Möglichkeit, das von Funkgerät kommende Kabel bei aufgesetztem Helm mit dem Headset zu verbinden oder von diesem allein zu lösen. Und der seitlich nach vorn herausgeführte Stecker stört beim Auf- oder Absetzen des Helms gar nicht.


Von diesem Stecker führt das Headset-Kabel zum Mikrofon sowie zwei flachen, etwa 7 cm Durchmesser umfassende flache Lautsprecher. Je nach Helmtyp (Klapp- oder Jethelm bzw. Integralhelm) gibt es unterschiedliche Mikrofonarten: Für meinen Klapphelm benötigte ich die Version, bei der das Kabel an einer stabartigen Führung zwischen Helmschale und Helmpolster noch vorne geführt wird. Am anderen Ende des Stabes befindet sich eine Montageplatte mittel Klettverschluss, der an einem Gegenstück, welches im Helm festgeklebt wird und ebenfalls mit Klett versehen ist, befestigt wird.


Das dünne Kabel, das zu den beiden Lautsprechern führt, sollte sorgsam und sorgfältig verlegt werden, ansonsten drohen zwei Probleme: Zum einen ist eine gute Positionierung auch der Lautsprecher mit mehrfachem Probe-Aufsetzen des Helms erforderlich, weil partout nichts drücken oder klemmen darf. Zum anderen sind die Kabel auch wegen des bei manchen Helmen nur geringen vorhandenen Platzes zwischen Schale und Polsterung sehr dünn gearbeitet. Bei zu starker Zugbeanspruchung drohen hier leider ganz flott „Wackelkontakte“ oder gar ausgerissene Kontakte.


Das heißt, für die Montage sollte man sich ein wenig Zeit nehmen: Wir haben beim ersten Helm etwa 20 – 30 Minuten herumprobiert.


Beim zweiten Helm (Caberg Justissimo) hatten wir dann schon etwas mehr Routine bei dafür aber nicht so frei zugänglichem Helmzwischenraum.


Dann stellt man sich die Frage, wo man das Funkgerät lassen soll: Besitzer von Motorrädern mit wenig oder ganz ohne Verkleidung tragen diese Geräte oftmals am Körper, verstaut in Jackentaschen. Ich selbst habe an meinem Reisedampfer ein abschließbares Staufach, das eigentlich für den Einbau eines Radios vorgesehen ist. Hier hat sich der Vorbesitzer eine Steckdose (Zigarettenanzünder) einbauen lassen.

Da ich unterwegs lieber Musik über mein Navigationsgeräte höre, konnte ich dieses Staufach gut für mein Funkgerät G9 nutzen, zumal sich dorthin auch alle notwendigen Kabel (Verbindung zum Headset sowie zum Schalter, um damit den Sprechmodus zu aktivieren) mit wenig Aufwand verlegen lassen.


Die Kabelverbindung zwischen Funkgerät und Headset erfolgt mittels Spiralkabel, was gerade beim Auf- und Absteigen den notwendigen Aktionsradius und eine sinnvolle Bewegungsfreiheit verschafft. Den Schalter, mit dem man den eigenen Sprechvorgang einleitet (per Funk kann nur derjenigen von den anderen gehört werden, der zuvor die „Sprechtaste“ gedrückt hat und diese solange gedrückt hält, bis er fertig gesprochen hat) positioniert man so, dass man ihn einerseits gut erreichen kann, ohne dass er andererseits andere Funktionen behindert. An meinem Reisedampfer bietet sich der linke Multifunktionsgriff an, auf dem man den Schalter – natürlich nach vorheriger Säuberung der Fläche – auf ebenso einfache wie haltbare Art und Weise mittels „PowerStrip“ befestigen kann. Ansonsten wird von Hersteller auch ein Klettband mitgeliefert, mit man diesen Schalter am Griff selbst befestigen kann.


Ist man soweit fertig, steht einem ausgedehnten Test nichts mehr im Weg: Noch eben mit den Mitfahrern vereinbart, über welchen der vorhandenen 7 Kanäle man kommunizieren will, diesen auf dem übersichtlichen Tastenfeld des G9 aktivieren und los geht es.


Die Verständlichkeit ist über die Original-Headsets von Alan-Electronics sehr gut und klar. Es braucht ein wenig Zeit, bis sich die beteiligten Mitfahrer auf die notwendige „Funkdisziplin“ eingestellt haben: Zum einen ist es, wie oben bereits beschrieben, nur dann möglich, selbst zu sprechen, wenn die „Sprech-Taste“ aktiviert ist. Zum anderen geht gerade das nicht, wenn bereits jemand anderes spricht: So, wie es eigentlich auch im wirklichen leben sein sollte, kann hier nur einer gleichzeitig reden, während alle anderen zum Zuhören gezwungen werden.

Das klingt für den Laien vielleicht sehr komplex, ist aber in der Praxis schnell in Fleisch und Blut übergegangen. Sogar auf dem „Long Way To Croatia“, als wir insgesamt mit drei Motorrädern und einem PKW per Funk verbunden und somit insgesamt vier Personen aktiv waren, gab es keine Probleme.

Ansonsten lässt sich bis zur Landstraßengeschwindigkeit gut miteinander kommunizieren. Ob die Herstellerangaben zur Reichweite zutreffend sind, kann naturgemäß nicht genau ermittelt werden: Hier haben zu viele Faktoren eine entscheidende Bedeutung, insbesondere die Umgebung: Sowohl in sehr bergigem Gelände als auch in städtischen Straßenschluchten zwischen den Klötzen aus Stahlbeton sinkt die Reichweite zum Teil deutlich, wobei 100 bis 150 Meter immer erreicht wurden.

Darüber hinaus, also bei Autobahngeschwindigkeiten ab etwa 120 km/h ist außer einem Knacken und Knirschen im Headset nichts zu verstehen.

In jedem Fall ist es erfreulich, dass man keinerlei Einschränkungen beim Tragekomfort des Helmes hat. Und da bekanntlich gerade Ausfahrten mit mehreren / vielen Motorrädern in aller Regel nur sehr begrenzt über Autobahnen geführt werden, Landstraßentempo aber wunderbar von der Technik toleriert wird, eignen sich die Funkgeräte G9 von Alan-Electronics in Verbindung mit den Motorrad-Headsets bestens zum Einsatz auf dem Motorrad.

Wer am Motorrad selbst keine derart gute Unterbringungsmöglichkeit hat, wie es bei meiner R1150RT der Fall ist, sollte sich gut überlegen, ob das G9 für ihn die richtige Wahl ist: Die im Vergleich zu anderen Produkten etwas größere Sendeleistung bringt eine etwas längere Antenne mit sich. Diese könnte in der einen oder anderen Jackentasche vielleicht zu „Engpässen“ führen. Hat man dagegen keine Platzprobleme, liefert das G9 höchstmögliche Sendeleistung ab und sichert so eine optimale Funktionalität.

Was ich mir als i-Tüpfelchen wünschen würde? Wenn es künftig eine Möglichkeit gäbe, das G9 zum Überbrücken größerer Entfernungen zwischen zwei oder mehr Motorrädern zu nutzen, die Übertragung der Sprache am eigenen Motorrad aber kabellos via Bluetooth möglich wäre :-)

Im Hinblick auf die angesprochen dünnen Kabel der Headsets würde ich mir für spätere Überarbeitungen der Produkte wünschen, dass hier noch etwas mehr Robustheit, wie man sie auf Motorrädern nun mal benötigt, Einzug hält und damit noch mehr Vertrauenswürdigkeit versprüht.

Ansonsten stellt das G9 von Alan-Eectronics mit dem Motorrad-Headset einen echten Motorrad-Tourer.com Tipp! dar.





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