Sonntag, 20. April 2014

#2014AIDA Die einen sagen so, die anderen so... und der Rest

Beim Frühstück am nächsten Morgen fragen wir uns, warum die AIDAsol eigentlich erst gegen Mittag in Amsterdam anlegen soll, wo wir doch das offene Meer schon verlassen haben und zu beiden Seiten des Schiffs Land an uns vorüberzieht. Die Erklärung kommt bald, sind doch noch etwa 30 Kilometer durch einen teilweise äußerst engen Kanal zurückzulegen, in dem das Schiff so manches Mal irgendwie überdimensioniert und deplatziert wirkt: An einigen Stellen sind auf beiden Seiten des Schiffs weniger als 8 Meter bis zu den Ufern Platz, was gemessen an deutlich über 30 Metern Schiffsbreite und etwa 250 Metern Schiffslänge unverhältnismäßig wenig erscheint.



Gegen Mittag erreichen wir dann die Hauptstadt der Niderlande und freuen uns, dass die bis dahin dichte Wolkendecke aufreißt und uns mit fröhlichen Sonnenstrahlen empfängt.



Wir teilen uns auf, weil wir die Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln erkunden möchten. Meine Familie nutzt die Möglichkeit einer etwa einstündigen Grachtenfahrt, während ich mich zu Fuß aufmache.



Schnell sind die 10 Minuten Fußweg bis zum Hauptbahnhof zurückgelegt, von wo aus ich mich in das touristische Zentrum Amsterdams bewege. Mir fallen die unzähligen Fahrräder im Straßenverkehr ebenso auf wie die ebenfalls zahlreich vertretenen Rollerfahrer. Auch diese bewegen sich alle ohne Helm, dafür mit zum Teil atemberaubend anmutender Geschwindigkeit und Geschicklichkeit durch den dichten Straßenverkehr. Überhaupt ist mein erster Eindruck von dieser Stadt ein sehr belebter, unruhiger, fast schon hektischer.








Natürlich ist auch ein Abstecher zum Anne-Frank-Haus Pflicht, allerdings schrecken mich die deutlich mehr als 100 Meter lange und sich durch mehrere Straßen ziehende Warteschlange davor ab, auch das Innere des Hauses und die Ausstellung zu besuchen.





Anschließend erkunde ich den Stadtteil Jordan, der das alte, das eigentliche Amsterdam zeigen soll. Tatsächlich wird es hier deutlich ruhiger und beschaulicher, man muss als Fußgänger nicht permanent auf der Flucht vor den rasenden Zweiradfahrern sein.



Vor zahlreichen der fast immer dunkelbraunen Klinkerhäuser stehen in der Frühlingsatmosphäre Stühle und Tische aufgebaut, um zu einemn Moment des Verweilens einzuladen. Mir fallen aber auch die oftmals engen Häuserschluchten und die für mein Empfinden eintönige Farbgebung der sich stark ähnelnden Häuser auf. OK, da es wohl früher keine Hausnummern gegeben haben soll, sollen sich alle Häuser an ihren Giebeln unterscheiden. Trotzdem habe ich das Gefühl, es würde ausreichen, zwei oder drei Straßenzüge zu sehen, dann hätte man alles gesehen.


Auf dem Weg zurück zum Schiff komme ich an vielen der so berühmten Coffee-Shops verbei, in denen es bekanntlich nicht nur Kaffeespezialitäten zu kaufen gibt. Ich durchquere das ebenso berühmte Rotlichtviertel und schmunzele ein wenig, als ich die freizügig sich feilbietenden Damen in den nur vielleicht 10 Meter von den Kirchenmauern entfernten Gebäuden erblicke.






Plötzlich bin ich im chinesischen Teil der Stadt gelandet und entdecke zwischen chinesischen Restaurants und Händlern kleine Querstraßen, deren Namen nicht nur auf niederländisch, sondern auch in chinesischen Schriftzeichen genannt werden.



Insgesamt hat mich die Stadt enttäuscht. Vielleicht habe ich mir von dem Flair und ihrem vorauseilenden Ruf zu viel versprochen. Aber selten hat auf mich eine Stadt in ihrer Architektur und mit ihren dunkelbraunen Hausfassaden so eintönig, farblos und fast schon bedrückend gewirkt.

Meine Familie dagegen kommt völlig begeistert von ihrer Grachtenfahrt zurück, hat die zahlreichen Wasserstraßen und die Blickwinkel von diesen genossen, schwärmt von den fast überall in der Stadt anzutreffenden Hausbooten und der kulturellen Vielfalt unter den Menschen auf der Straße. Wieder einmal sieht man: Geschmäcker und Vorlieben sind verschieden und die der Ausspruch „die einen sagen so, die anderen so“ behält seine Gültigkeit.



So schnell kann eine Woche Schiffsreise vergehen. Vor uns liegt ein abschließender Seetag, den wir bei Windstärken 8 und etwa dreieinhalb Meter hohen Wellen etwas unruhiger verbringen, als wir es während der restlichen Reise gewohnt waren. Das ist die beste Zeit, windgeschützt in einem der strandkorbähnlichen Sitzmöglichkeiten an Deck die Fotos der letzten Tage zu sichten und ein paar Gedanken und Eindrücke in Worte zu fassen.



Am Abend gibt es dann die große Abschlussparty, auf der wir sicherlich wieder das Tanzbein schwingen werden, bevor wir unsere nicht mehr benötigten Sachen zusammenpacken werden. Die bis 2 Uhr in der Früh auf den Gängen positionierten Gepäckstücke werden vom Bordpersonal dann morgen nach Erreichen des Hamburger Hafens an Land gebracht, so dass wir dann wieder mit dem Shuttle zum Bahnhof und anschließend mit der Bahn wieder heimwärts fahren können. Eine Woche voller Entdeckungen, Schlemmereien und Erholung liegt hinter uns, ähnlich wie wir es schon von unserer ersten AIDA-Reise kannten. Wir sind froh, sagen zu können: „We did it again“.













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