Samstag, 15. August 2015

Gardasee - I Want It All #IWIA2015 und immer mehr...

In den letzten Tagen habe ich so oft überlegt, ob das Motorradfahren bei diesen Temperaturen eigentlich die richtige Freizeitbeschäftigung ist: Bei zum Teil deutlich über 30 Grad hatte ich daher vermehrt die umliegenden Höhenlagen und möglichst bewaldete Streckenabschnitte bevorzugt. So war dann auch schnell klar, welche Reaktionen ich hervorrufe, wenn ich das im Kreise der Familie anspreche: Schon bei der Planung unserer Reise kamen mir so merkwürdig klingende Worte in die Ohren, die woe "Sonne" und "Baden" klangen.



Und da Simone von unserem Kurzausflug an den südsee-grünen Lago di Tenno berichtet hatte, ist am Montag Morgen ein schneller Mehrheitsbeschluss herbeigeführt: Heute geht es gemeinsam zum Badeausflug an den nordwestlich von Riva gelegenen Lagunen-See. Dieser führt aktuell so wenig wasser, dass die eigentlich vor seinem Ostufer liegende kleine Insel heute von uns zu Fuß erreicht werden kann.



Die dort auf der Spitze einer kleinen Erhöhung wachsenden Bäume spenden uns ein wenig Schatten und erträgliche Temperaturen. Diese sollen, nach übereinstimmenden Aussagen von Bea und Tino im Wasser noch viel angenehmer sein, aber als jemand, für den Wasser vor allem als Getränk oder zur Säuberung Bedeutung hat, erkläre ich mich heroisch bereit, auf die Taschen etc. aufzupassen ;-)





So faulenzen wir den halben Tag lang und können uns nicht einmal aufraffen, uns auf eine kleine Wanderung vom Tenno-See in das mittelalterliche Dörfchen von Canale, einem Ortsteil von Ville del Monte zu begeben.



Auf dem Rückweg fahren wir dann über Varone, wo es etwas sehr sehenswertes zu besichtigen gibt: Hier existiert ein im Berg verlaufender Wasserfall mit einer Gesamthöhe von immerhin etwa 100 Meter: Der Wasserfall von Varone.











Rund um dieses Schauspiel ist liebevoll ein gepflegter kleiner Garten angelegt worden, in dem es zu zahlreichen Pflanzen kleine Hinweisschildchen mit Erläuterungen gibt; fast fühle ich mich in den Berliner Botanischen Garten versetzt.








Dann schlängeln wir uns durch den tunnelartigen Zugang zum Wasserfall und mit jedem Schritt nimmt das mächtige Geräusch herabprasselnden Wassers zu. Die Temperatur sinkt deutlich herab und schon bald sind wir vom Sprühnebel der Gicht eingehüllt. Wir sind heilfroh, vorsorglich unsere wasserfesten Jacken eingepackt zu haben, damit diese uns vor Nässe und den niedrigen Temperaturen schützen können.














Das mit verschiedenen Lichtquellen auch farblich interessant inszenierte Zusammenspiel aus Felsen und Wasser, Höhe und Nässe, Kühle und akustischem Hall in der Grotte beeindruckt uns sehr.



Wir können es kaum glauben, dass die Quelle dieses Beeindruckenden Schauspiels eben jener Tenno-See ist, an dessen völlig ruhigem Wasser wir gerade den halben Tag verbracht haben. Durch die Deckenöffnung des Steinmassivs hier wirkt das Wasser plötzlich gerade gar nicht mehr so grün...



Nach diesem Augenschmaus haben wir uns für den heutigen Abend auch einen echten Gaumenschmaus in unmittelbarer Nähe vorgenommen: Wir besuchen die Acetaia del Balsamico Trentino in Cologna di Tenno, die wir vom Garten unseres Hotel Rudy schon in den letzten Tagen immer wieder gesehen haben.








Wir dürfen in einer sehr interessanten Führung zunächst kennenlernen, nach welchem Verfahren hier Balsamico-Essig hergestellt wird. Es ist schon beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, welche mengen Weintrauben erforderlich sind, um am Ende - wann das auch immer sei - nur einige wenige Flaschen dieser leckeren Zutat zu erhalten: Aus ursprünglich 1000 Litern Trauben bleiben bereits nach dem Kochprozess lediglich noch etwa 400 Liter Flüssigkeit übrig, die zusammen mit etwas "Mutter-Essig" Jahr für Jahr in immer anderen Sorten von Holzfässern eingelagert werden.












Neben der seit nunmehr 5 Jahren betriebenen Acetaia finden wir aber auch eine Weinkellerei, eine Käserei und eine hochmoderne Appartement-Anlage mit Pool und Seeblick sowie ein Restaurant vor und dürfen uns überall ausgiebig umsehen.











Selbstverständlich nutzen wir die Möglichkeit, in diesem Restaurant auch das 0-km-Konzept der Betreiber kennenzulernen und auszuprobieren: Danach stammen nahezu alle Produkte, die in diesem Agricultur-Restaurant angeboten werden, aus eigener Produktion oder zumindest der nächsten Umgebung. Der Betreiber hält selbst einige Tierherden, die im Trentino auf über 1000 Höhenmetern frei weiden und aus denen die Fleischgerichte entstehen; die angebotenen Süßwasser-Fische stammen aus dem Gardasee und auch das Gemüse wird von Bauern in der Nähe produziert.











Ebenso selbstverständlich ist, dass wir neben dem hauseigenen Balsamico-Essig auch das selbst hergestellte Olivenöl zu unseren Gerichten ausprobieren. Nach einem langen Abend mit einer ebenso üppigen wie abwechslungsreichen Folge äußerst leckerer Speisen führt uns dann der direkte Weg in unsere Hotelbetten, wollen wir doch am Folgetag leidlich fit sein.



Am nächsten Morgen sind wir nämlich mit den Freizeit-Spezialisten von Segnana verabredet:  Mit mehreren Filialen ist dies einer der größten Anbieter von Wassersport- und Fahrradaktivitäten am nördlichen Ufer des Gardasees. In einer kleinen und windgeschützten Bucht am südlichen Fuße des Monte Brioni in Torbole finden wir uns vormittags ein, um eine der neueren Trendsportarten auszuprobieren: Stand-Up-Paddeling.



Dabei nutzt man ein surfbrettartiges Board mit rutschfester Oberfläche, um darauf stehend und nur mit einem Paddel bewaffnet über die Wasseroberfläche begleitet. Wie überall am nördlichen Gardasee besteht auch hierbei aus Sicherheitsgründen die Pflicht zum Tagen einer Schwimmweste.



Nach einigen vorsichtigen Versuchen geht es dann mit dem Gleichgewichtssinn auch ganz gut voran und so können wir die ruhige Zeit vor dem Einsetzen der Ora entspannt auf dem Wasser nutzen.



 








Gegen Mittag setzt dann der tägliche Südwind ein und bietet nicht nur Surf- und Segelfreunden unter den wachsamen Augen der örtlichen Wasserschutzpolizei auf ihren coolen Gefährten beste Verhältnisse bei gleichbleibenden Windstärken und -richtungen sowie einer zunehmenden Wellenbildung.











Wir verbringen den Rest des Tages in Torbole, schauen lange Zeit einfach nur den Surfern und Seglern zu, durchqueren die kleine Altstadt mit ihren unzählichen kleinen Läden und lassen den Dienstag dann ruhig ausklingen.

Bei wiederum schönstem Wetter am Mittwoch wagen Bea und Tino vormittags einen erneuten Versuch an einem Klettersteig in Arco und wollen anschließend die dortige Altstadt ein wenig erkunden.










Begeistert kommen sie dann am frühen Nachmittag zurück mit tollen Perspektiven und Eindrücken.


Am Nachmittag fahren wir dann alle gemeinsam mit dem Auto wieder an der Ostküste des Gardasees entlang, um einen kleinen Zwischenstop in Malcesine einzulegen. Auch weiterhin sind wir uns nicht einig, wie uns dieses Städtchen gefällt:








So wunderschön verspielt und stimmungsvoll die Altstadt wirkt, wenn man sie in einem der weniger belebten Momente besucht, so abschreckend sind die Touristenströme, die sich ansonsten durch die engen Gassen quälen.














Unser Tipp: Am bestens ist es, wenn man sehr früh am Tag in Malcesine über das Kopfsteinpflaster der Altstadt falniert, während die anderen Urlauber noch am Frühstückstisch sitzen...








Wir nutzen die Gelegenheit zum nächsten kulinarischen Highlight: Nur wenige hundert Meter von der Altstadt Malcesines entfernt finden wir in den Berg hineingestemmt die Räumlichkeiten der "Speckstube". Normalerweise machen wir um Geschäfte mit solchen touristisch klingenden Namen einen großen Bogen. Aber das Versprechen der Inhaber, Fabio und Esther Bruni, dass man hier nur selbst hergestellte Produkte findet, die man auch ausnahmslos alle kosten darf, lockt uns dann doch an.














Wir kosten uns durch Speck und Schinken, Käse und Saft, Pesto und Olivenöl dieses Traditionsbetriebs: Schon in der dritten Generation wird die Unternehmensphilosophie mit Qualität und Geschmack fortgeführt. Muss ich gesondert erwähnen, dass uns bei unserem Abschied diverse gut gefüllte Tüten mit unseren Einkäufen begleiten?... Unser Tipp: In der Mittagszeit kann man hier reichlich mit Schinken oder Käse belegte Brötchen für nur 2,50 Euro das Stück als kleinen Mittagsimbiss erwerben.



Anschließend geht es weiter nach Süden. Hinter Brenzone klettern wir in Marniga steil den Berg hoch zum Restaurant Belvedere von Teo Simonelli am Fuße des Monte Baldo. Dieses Restaurant trägt seinen Namen zu Recht, hat man doch von hier einen traumhaft weiten Blick über den mittleren Gardasee.



Herr Simonelli ist aber nicht nur Gastronom: Der frühere Bürgermeister ist jetzt auch Präsident des Fördervereins des alten und nahezu verlassenen Bergdorfs Campo. Diese hoch oben in einem Olivenhain gelegene Kleinod ist für Herrn Simonelli eine Herzensangelegenheit.









Fest hat er sich vorgenommen, dieses historische Fleckchen mit seinen ursprünglich gebauten Häusern sorgfältig und langsam zu sanieren, um schon in einigen Jahren hier ein Künstlerdorf entstehen zu lassen: Maler, Bildhauer, Lyriker und Musiker sollen hier die Möglichkeit erhalten, für einige Zeit kostenlos wohnen zu dürfen,um sich in der gewachsenen Landschaft des Hinterlandes vom Gardasee inspirieren zu lassen.








Im Gegenzug sollen sie dann gemeinsam mit den Akteuren des Fördervereins kleine Festivals oder Künstlerfeste veranstalten, um damit die Vielfalt der Möglichkeiten und Angebote in der Region noch um künstlerische Aspekte zu vervollständigen.



Gemeinsam mit Herr Simonelli treffen wir auf unserem Rundgang durch das Dorf auf "Little Jonh", einen Künster, der verschiedenste Gegenstände aus Leder herstellt und den wenigen Besuchern des Bergdorfs zum Kauf anbietet. Er ist einer von nur noch 10 Bewohnern von Campo.



Eine weitere Begegnung entwickelt sich dann zu einem ganz besonderen Moment:



Olga verkauft einige warme und kalte Getränke an Wanderer und Besucher. Jedenfalls dann, wenn sie gerade da ist. Und wenn sie nicht gerade anderweitig beschäftigt ist. Ihre Öffnungszeiten? Immer. Jedenfalls immer, wenn sie da ist....



Sofort lädt uns Olga in Ihr Heim ein, damit wir uns eines der historischen Häuser von innen ansehen können. Sie erzählt uns einiges von der Geschichte des Bergdorfs die zum Teil eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Als wir dann gemeinsam an ihrem Küchentisch sitzen und uns mit kühlen Getränken erfrischen, steht plötzlich ein uns fremder und vollständig verschwitzter Mann mit seinem Hund in der Tür und bittet um ein Bier.




Während wir am Tisch zusammenrücken setzt er sich mit einer Dose Bier in der Hand dazu und tätschelt seinen Hund. Nach einigen Minuten beginnt er, in seiner Hosentasche zu wühlen und holt ein Papierknäuel hervor. Kaum hat er es geöffnet, kullern zwei Trüffel hervor, die der Hund gerade eben auf etwas mehr als 1000 Höhenmetern gefunden hat: Unglaublich, dass wir gerade jetzt hier sind. Aber wir wollen ja bekanntlich alles...



Herzlich ist der spätere Abschied von Olga und wir können nur jedem Besucher von Campo empfehlen, sie zu besuchen und das eine oder andere kühle Getränk zu ordern, denn sie hat tolle Geschichten zu erzählen, ist ein wahres Original.



Zurück in Riva del Garda bleibt noch ein wenig Zeit, um uns frisch zu machen, bevor unser nächstes Treffen ansteht. Im Zuge der Planungen dieser Reise hat sich ein sehr enger Kontakt zu einigen Mitarbeiterinenn des Tourismusbüros ergeben und an diesem Abend wollen wir gemeinsam ein traditionelles Restaurant in Riva besuchen.



Wir treffen uns im Leon D`Oro in der Altstadt von Riva. Dieses Restaurant ist weit über die Region hinaus für seine ausgesprochen hochwertige und regionale Küche bekannt. Wir genießen diesen Abend bei leckerem Essen und sind froh, dass wir Roberta Maraschin und Ornella Marconi an unserer Seite haben: Allein die Bestellung der Vorspeisen mit konkreten Wünschen und Vorstellungen, welche Leckereien den Weg aus der Küche auf unseren Tisch finden sollten, dauert beinahe fünf Minuten.








Dementsprechend ansprechend und üppig fallen dann auch die Platten aus, die wenig später vor uns platziert werden. Auf die Fischliebhaber wartet eine wahre Komposition köstlicher Häppchen. Ich komme an der regionalen Spezialität Carne Salada, einer Art aufwändig mit Salz gepökelten und hauchzart geschnittenen Rindfleischfilets, nicht vorbei.








Einen freundlichen Abschiedsgruß des Restaurantinhabers und ein freundliches "bona notte" seiner noch immer liebevoll-agilen und mithelfenden Mutter später treten wir den Heimweg an. Ein Tag voller Erlebnisse und Gegensätze, voller Vielfalt und Eindrücke geht zu Ende und wir liegen abends noch lange wach in den Betten unserer klimatisierten Hotelzimmer und lassen Tag immer wieder Revue passieren.












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